Wasser - (1) Wann zähmte das Wasser die Erde?

 

Foto: Oskar Springer 

Die unendliche Reise der Regentropfen  Klatsch und Nass


Erst war es Neugier. Danach packte mich der Ehrgeiz: möglichst viel über das Wasser in Erfahrung zu bringen. 

So begann ich diese Fortsetzungsgeschichte zusammenzutragen. 

Egal, ob ich Auszüge daraus Freunden oder Kindern erzählte, immer wieder kamen Fragen dazu, die mich aufforderten, noch tiefer in das Element "Wasser" einzutauchen. 

Vermutlich wird diese Geschichte nie perfekt werden. Soll sie auch nicht, denn die Freiheit des Suchens wird vom Wind  der Fragen immer weiter getragen. 

Wie Wolken, welche, vom Wind getrieben, auf ihrer Reise Wasserdampf sammeln, um später Regen zur Erde fallen zu lassen. 

Schweben Schneeflocken vom  Himmel, befindet sich das Wasser auf seiner Winterreise. 

Dieser Kreislauf wird nie beendet werden, zumindest so lange die Erde sich dreht.


Begleiten wir die Wassertropfen auf ihrer langen Reise durch die vielen Zeitalter der Erde.

Die unendliche Reise der Regentropfen

Was, der Wasserstoffjunge und Ser, das Sauerstoffmädchen, haben sich im Weltall vor mehr als 13 Milliarden Jahren getroffen. Es herrschte Krieg und Chaos im Weltall. Eine riesige Gaswolke mit einem glühenden Kern, die mehr als acht Milliarden Jahre später unsere Sonne werden sollte, kämpfte mit vielen anderen Gaswolken um ihren Platz in der Milchstraße.

Heute brennt und glüht diese Sonne als Atomkraftwerk im Weltall. Sie ist das Zentrum unseres Sonnensystems. Die Gase Wasserstoff und Helium sind ihr unvorstellbar großer, ja gigantischer Brennstoffvorrat.

Pro Sekunde werden bei andauernden Kernexplosionen 564 Millionen Tonnen Wasserstoff und 560 Millionen Tonnen Helium in Energie umgewandelt. Dabei bleibt die Hitze in ihrem Kern konstant: 15 Millionen Grad Celsius herrschen dort. An ihrer Oberfläche hat sie immer noch eine Temperatur von fast 6000 Grad Celsius.


 Wasserstoff und Sauerstoff, Eltern des Wassers

Eine gigantische Explosion schleuderte auch Was und Ser zusammen in einer brennenden, ganz hellen Wolke aus Gasen und Staub ins Weltall. Versteckt in ultrakalten (-273° C) Kometen als 60.000° C heiße, winzigste Teilchen,  flogen Was und Ser lange Zeit in unserer Milchstraße.  

Eine andere, kleinere Staubwolke aus Gasen, Steinen und Staub mit einem glühenden Eisenkern verwandelte sich mit der Zeit in eine glühende Kugel. Wir nennen sie Erde. Diese Glutkugel begann vor 4600 Millionen (4,6 Milliarden) Jahren in einer großen Gas-, Stein- und Staubwolke um die Sonne zu kreisen. Unser Sonnensystem entstand. Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun begannen um die Sonne zu kreisen.   

Was und Ser heirateten im Weltall, in der Nähe der Erde. Ihre ersten beiden Kinder tauften sie Klatsch und Nass. Es waren die ersten Regentropfen in der Nähe der Erde.

 

Über Millionen von Jahren wurde die Familie von Was und Ser immer größer. Die Eltern beschlossen, ihre große Familie von Regentropfen Wasser zu nennen. 

Weil die Eltern nicht wussten, wo ihre Kinder, die vielen Wassertropfen, wohnen sollten, sammelten sie die Wassertropfen in Kometen aus Eis und Staub. So ließen sie ihre Kinder lange Zeit im Weltall schweben, während sie auf der Suche nach einer Heimat waren.


Die suche nach der Heimat

Zur Erde konnten sie die Kometen nicht schicken. Dort war es für sie viel zu heiß.

Magma floss, blubbert und explodierte Tag und Nacht auf der Oberfläche der Erde. Die Erde glühte und kochte wie ein riesiger Ofen in dem Stahl gegossen wird.

Wenn das Eis der Erde zu nahe kam schmolz es. Die Wassertropfen Wassertropfen verdampften wie auf einer Herdplatte.  

Klatsch, Nass und ihre vielen Schwestern und Brüder mussten fliegen und schweben lernen. Ihre Eltern, der Wasserstoffvater und die Sauerstoffmutter, brachten es ihnen bei. 

Schnell lernten die Tropfen sich zu verwandeln. Das war überlebenswichtig. Mal fielen sie als Wasser aus den Wolken. Wurde es zu heiß, verwandelten sie sich in Wasserdampf, um sich wieder abzukühlen. 

So flogen und schwebten sie in Wolken rund um die Erde. Immer wieder versuchten sie, der Erde näher zu kommen oder sogar auf sie zu fallen.

 Foto: Oskar Springer

Wütend wurden die Regentropfen von der Hitze der glühenden und kochenden Erde sofort als Wasserdampf nach oben geschleudert. Die Regentropfen wussten mit der Zeit, wie sie es machen müssen. 

Sie bildeten zusammen immer mehr Wolken.  Mit der Zeit war die Erde von einer einzigen, gigantischen Wolke eingehüllt, die es ununterbrochen regnen ließ. So war es auch den Sonnenstrahlen nicht möglich, die Erde mit der Kraft ihrer Strahlen zu unterstützen.

Klatsch und Nass wollten unbedingt auf die Erde.  Immer wieder versuchten die beiden mit ihren Geschwistern und Freunden dort zu landen. Die Erde aber wollte nicht abkühlen.  Die Hitze der Erde wollte nicht weniger werden.

In ihrer Not riefen das Wasser und die Wolken um Hilfe.  Asteroiden und Kometen, riesige Steine mit viel Eis auf ihrer Oberfläche flogen zur Erde, um zu helfen. Nach Millionen von Jahren schafften es Paul und Pauline mit ihren vielen Geschwistern und Freunden die Erdoberfläche abzukühlen.


Der Mond wird geboren, die Atmosphäre entsteht

Es regnete und regnete. Millionen von Jahren regnete es nur. Die Erde war an der Oberfläche trotz des vielen Regens noch immer sehr warm. Das Wasser kochte und dampfte auf der Oberfläche der Erde wie in einem Kochtopf. Die Regentropfen mussten immer wieder als Wasserdampf zum Himmel hochsteigen, um sich in den Wolken abzukühlen.

Nach vielen Millionen Jahren holten die Wassertropfen ihre Eltern. Der Vater Was, der Wasserstoff und die Mutter Ser, der Sauerstoff werden bis heute in einer Sänfte getragen. Im Wasserdampf. Dem Mantel der Erde, der Atmosphäre genannt wird. In dieser Hülle, die rund um die Erde schwebt, befinden sie sich mit vielen anderen Gasen. Wir Menschen nennen das „die Luft“.

 

Die Atmosphäre der Erde bestand zu 80 % aus Wasserdampf,  zu 10 % aus Kohlenstoffdioxyd, weil die Erde immer noch glühte und Hitze abgab, bis zu 7 % aus Schwefelwasserstoff. Es stank überall nach Schwefel, wie aus einem Vulkankrater. Der Rest der Atmosphäre waren Wasserstoff, Kohlenstoffmonoxyd, Helium, Methan und Ammoniak.

Sauerstoff war nur in kleinsten Mengen vorhanden. Darauf kommen wir später zu sprechen.

Ein Asteroid, der den Regentropfen mit seinem vielen Eis auf der Oberfläche ebenfalls helfen wollte, war zu schnell und zu groß. Er riss einenTeil der Erde mit sich. Magma und Lava flogen mit dem Asteroiden von der Erdeweg.

Nicht alles, was der Asteroid aus der Erde gerissen hatte, wollte mit ihm ins Weltall reisen. Ein großer Teil blieb in der Nähe der Erde. Mit der Zeit begann dieser große, ehemalige Teil der Erde um seine frühere Heimat, die Erde, zu kreisen.  

Der Mond war geboren. 


Fotos: Oskar Springer

Weil die Erde so hart und fest getroffen worden war, neigte sie sich leicht zur Seite. Wegen der verschobenen Erdachse haben wir heute Sommer und Winter, Frühling und Herbst. 

Der Mond ist ein Teil der Erde. Er kreist bis heute um seine alte Heimat und betrachtet die Erde sehnsüchtig von allen Seiten. Während der Gezeiten spielt er mit dem Wasser, um mit  der früheren Heimat in Kontakt zu bleiben, obwohl seine Entfernung jetzt, am entferntesten Punkt, 384.400 Kilometer beträgt.

Seit seiner Entstehung entfernt er sich immer mehr von der Erde; früher 2 cm, heute 3,5 cm im Jahr.

Den wenigsten ist bewusst, dass der Mond einen großen Anteil am Leben auf dem Land hat. Wegen Ebbe und Flut hatten es erst einige Wasserpflanzen, danach Meerestiere geschafft, an Land zu kommen, um dort zu leben. Während der Ebbe lernten sie an Land zu atmen, während der Flut lebten sie wieder im Wasser. Bis die ersten Tiere an Land leben konnten, sollten noch Milliarden von Jahren vergehen. 

Fotos: Oskar Springer
 

Sehsüchtig beleuchtet der Mond mit Hilfe der Sonne die Erde. Wie Menschen, die mit Taschenlampen im Dunkeln den Weg suchen, versucht er zumindest mit seinem Leuchten mit der Erde in Blickkontakt zu bleiben.  

Vor 3850 Millionen Jahren rettete der Mond die Erde. Ein gewaltiger Himmelskörper mit einhundert Kilometer Durchmesser schlug auf dem Mond ein und wurde von seinem Weg zur Erde abgelenkt. Hätte diese riesige Kugel die Erde getroffen, wäre heute kein Leben auf der Erde. Das Wasser auf  der Erde wäre vermutlich verdampft und in den Weiten des Weltalls verschwunden.

Wenn wir heute zum Mond schauen, sollten wir uns dankbar daran erinnern, dass sich der kleine Begleiter der Erde einer riesigen Katastrophe mutig in den Weg gestellt hat. Vermutlich dankt ihm das Wasser bei jeder Ebbe, um sich danach bei Flut wieder für ein neues „Dankeschön“ zu sammeln.

Die Regentropfen waren sehr hartnäckig. Ihnen gelang das Unglaubliche. Die Erde kühlte mit der Zeit an der Oberfläche etwas ab.


Die Erde gewährt dem Wasser Asyl

Regentropfen haben die Erde wie ein wildes Pferd gezähmt. Vor 3800 Millionen (3,8 Milliarden) Jahren konnte das Wasser auf der Erde liegen bleiben.

Erde und Wasser schlossen nach einem langen Kampf Frieden.

Nach vielen Millionen Jahren durften sich Klatsch und Nass mit ihren Freunden und Geschwistern in großen, riesigen Betten ausruhen.

Diese großen Betten heißen heute Ozeane, Meere, Seen, Flüsse und Bäche.

Hitze und Glut zogen sich ganz langsam unter die Erdoberfläche zurück.

Der glühende Ofen im Kern der Erde ist ihre Energiereserve.

Über 6000° C ist es dort heiß. Dort ist es heißer als auf der Oberfläche der Sonne.

Die Erde schützt diese Glut mit einer hitzebeständigen Hülle aus feuerfesten Steinen und anderen Materialien. Für alle Fälle. Sollten die Sonnenstrahlen die Erde nicht mehr erreichen können. Immer wieder passierte das wegen riesiger Vulkanausbrüche und Einschlägen von großen Meteoriten. Und, es kann wieder geschehen.

Das glühende Herz der Erde besteht nur aus Metallen: Nickel und Eisen. Bei rund 6.300° C bleibt dieser innere Kern eine feste Kugel, weil der Druck der ihn umgebenden Erdmassen mit 3,5 Millionen bar nichts vom inneren Kern entweichen lässt.   

Zusammen mit der heißen, inneren Schicht der Erde, die sich um den glühenden Kern ununterbrochen dreht, wird Strom erzeugt. Die Glut, die den inneren Kern der Erde umschließt wird ‚äußerer Kern‘ genannt.

Die Glut außerhalb des äußeren Kerns der Erde ist teilweise flüssig, wie dicker Saft. Die Temperatur dieses äußeren Kerns beträgt direkt am inneren Kern fast 6000° C. Weiter vom Kern entfernt immerhin noch immer 3800° C. Diese Glut dreht sich wie ein Fahrraddynamo um den festen inneren Kern der Erde. So entstehen elektromagnetische Wellen, die die Erde umarmen.

Wir verdanken diesem riesigen Dynamo mit seinen elektromagnetischen Wellen die Erdanziehungskraft. Wie ein Magnet bindet unsere Erde die Luft zusammen mit dem Wasserdampf an sich. So schützt sie das Leben auf ihr und hält uns Menschen, zusammen mit den Tieren und Pflanzen, auf ihrer Oberfläche fest.

Mutter Erde hatte in der Zeit, in der sie mit den Wassertropfen gekämpft hat, sehr viel gelernt. Sie konnte das Wasser lange beobachten. Dabei stellte sie fest, sie kann mit dem Wasser viel erreichen. Ob flüssig, als Wasser, fest, als Eis oder gasförmig, als Wasserdampf.

Es schützt ihren Kern vor dem Auskühlen im Weltall. Es stabilisiert ihre Kontinente. Und, es ist ein idealer Partner, um Leben auf die Erde zu bringen.

Riesige Mengen an Kohlenstoffdioxyd, die wegen der glühenden Erde in der Luft waren, verbanden sich mit dem Wasserdampf und konnten  wegen der Erdanziehungskraft nicht verschwinden. Mit dem Regen wurden die Kohlenstoffdioxydmengen wieder auf die Erde zurückgebracht und in den Meeren gespeichert.

Kohlenstoffdioxyd war und ist lebenswichtig für Pflanzen, die ihn zum Atmen und zum Aufbau von Stärke benötigen. Tiere und Menschen könnten ohne Kohlenstoffdioxyd nicht leben, da die Pflanzen aus dem Kohlenstoffdioxyd Sauerstoff gewinnen. Diesen schenken sie den Menschen zum Atmen.

Durch die Photosynthese verwandeln Pflanzen (im Meer und an Land) Kohlenstoffdioxyd in Sauerstoff und Stärke, also Nahrung. Nur so können Menschen, Tiere und Pflanzen wachsen und sich vermehren. Den Sauerstoff benötigen Tiere und Menschen zum Atmen.

Menschen und Tiere produzieren beim Atmen  Kohlenstoffdioxyd. Der wird wieder von den Pflanzen zum Überleben benötigt.

 

Das Wasser wird der Erde sympathisch

„Das Wasser hilft mir, ohne dass ich  es darum bitten muss“, dachte sich die Erde.

„Wenn ich Leben auf die Erde bringen will, dann muss mir das Wasser helfen“.

Noch wusste das Wasser nicht, dass Mutter Erde begann winziges Leben mit Hilfe des Wassers in den Boden des Meeres zu pflanzen. Weil Wasser in alle Risse und Ritzen der Erde im Ozean eindringen konnte, begannen heiße Quellen zu entstehen. Wasser, das der Hitze der Erde zu nahe kam, wurde als Wasserdampf nach oben gedrückt, kühlte beim Aufsteigen etwas ab und kam als heißes Wasser wieder ins Meer zurück.

Dabei transportierte es Eisenoxyd-Partikel und Karbonate aus dem Inneren der Erde auf den Meeresboden. Eisenoxyd ist Rost, der aus Metallen von Wasser ausgewaschen wird. Karbonate sind Salze die aus Kohlenstoff- und Sauerstoffatomen bestehen.

Die Atome sind die kleinsten Bausteine unseres Lebens. Manche vertragen sich gut, andere wollen für sich bleiben, einige freuen sich, wenn sie mit anderen Atomen gemeinsam eine Explosion oder andere Reaktion erzeugen können. Ob es noch kleinere Teilchen gibt, die für das Leben wichtig sein könnten, muss noch erforscht werden.

Zusammen mit den sich bereits am Meeresboden befindlichen Grundbausteinen des Lebens Kalzium, Magnesium, Natrium, Stickstoff, Phosphor und dem wenigen, aber doch dafür ausreichenden Sauerstoff begannen Eisenoxyd und Natrium vor 3.800 Millionen Jahren winzige Lebewesen zu basteln.

Bakterien und Viren waren die ersten Lebewesen dieser Erde. Sie fühlten sich am wohlsten in der Nähe der warmen Quellen. Vom Wasser wurden sie ausreichend mit Nahrung aus dem Inneren der Erde versorgt. 

 

Den Regentropfen ist langweilig

Klatsch und Nass langweilten sich mit der Zeit. Ihre Eltern, schwebten mit vielen anderen Freunden, den Gasen,  im  Wasserdampf über der Erde und waren zufrieden.

„Wir möchten ein bisschen Spaß. Etwas, mit dem wir spielen können“, riefen sie ihren Eltern zu, wenn sie sich in der Luft trafen.

„Fragt doch die Erde, ob sie euch dabei hilft“, antwortete Ser, die Sauerstoffmutter. „Vielleicht hat die Erde eine Idee“, ergänzte Was der Wasserstoffvater. „Ihr seid jetzt alt genug, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Warum sollen wir uns immer um euer Spielzeug kümmern? Wenn die Erde eine gute Idee hat, dann helfen wir euch gerne."

Klatsch und Nass diskutierten lange. Auch mit ihren Freunden, den vielen Regentropfen im Wasser. Jeder hatte eine andere Idee. Bis sich ein Wassertropfen meldete, der im Eis eines Kometen von ganz weit aus dem Weltall mitgekommen war.

„Von dort, wo ich her komme, lebten im Wasser Pflanzen und Tiere.  Die Tiere schwammen im Wasser. Das war vor vielen, vielen Milliarden Jahren, in einem ganz anderen Bereich des Weltalls.“

„Wie sind die Tiere denn ins Wasser gekommen?“, wollten die Wassertropfen wissen.

„Also, zuerst waren dort Quallen und Korallen. Auch Bakterien waren im Wasser. Aber das Wichtigste waren die Viren. Das sind unsichtbare kleine Wesen“, erklärte der Wassertropfen. „Nur durch Säuren entstehen Viren. Die Säuren sind wie eine Suppe mit vielen Gewürzen.“

„Haben wir auf der Erde auch Viren“, wollten die Wassertropfen wissen.

„Das weiß ich nicht, ich kann sie ja nicht sehen“, meinte der Wassertropfen, der aus dem Weltall mit einem Eiskometen gekommen war.

„Was brauchen denn Viren um zu leben oder zu entstehen?“ Ser hatte interessiert zugehört und war nun ganz neugierig geworden.

„Ich weiß es nicht genau, aber sie entstehen aus mehreren Elementen. Ganz wichtig dabei ist Zucker.“ Der Tropfen dachte weiter nach.

„Am Ende ist das wie eine Suppe, die bei großer Hitze austrocknet. Übrig bleibt dann ein kleiner Rest.“

„Jetzt spann uns nicht so auf die Folter“, rief Was. „Du weißt doch noch mehr.“

„In seinem Inneren hat das Virus immer einen kleinen Teil Säure, der von zwei Schichten geschützt wird. Diese zwei Schichten nennt man Proteinhülle und Virushülle. Auf der Virushülle sind viele kleine Arme. Mit denen kann sich ein Virus mit einem anderen Virus verbinden, um sich weiter zu entwickeln. Wahrscheinlich schenkt es dabei etwas Zucker her, damit das andere Virus neugierig wird und den Besucher einlädt.“

Ein Wassertropfen war noch nicht zufrieden. „Die Säuren, wie entstehen die denn, was brauchen wir dafür?“, wollte er wissen.

„Also ihr treibt es wirklich etwas weit. Aber ich versuche mich zu erinnern. Wasserstoff, Sauerstoff und immer wieder Phosphor, das ist der eine Teil der Suppe. Der andere ist wieder Sauerstoff und Wasserstoff, der mit unterschiedlichen Zuckeranteilen gemischt werden muss. Das ganze heißt dann Nukleinsäure. Mehr weiß ich jetzt wirklich nicht. Außer, dass Zucker mit Asteroiden aus dem Weltall kommt. Glycol, glaube ich, heißt die Mischung.“

Was waren denn die ersten Tiere, die im Wasser schwammen?“, fragten die Wassertropfen durcheinander.   

Es waren die Quallen. Die bestehen zu 99 % aus Wasser. Wir Wassertropfen wurden in diesen Tieren zusammengepresst. Mit ihren Schirmen begannen die Quallen zu schwimmen. Wir wurden von ihnen getragen und hatten viel Spaß mit denen. Sie tauchten tief hinunter, manche blieben gleich weit unten. Die Quallen sind mit den Korallen eng verwandt. Quallen und Korallen sind Nesseltiere. Die Korallen bleiben meistens zusammen und bilden mit der Zeit große Kolonien. Die Quallen schweben im Wasser, wie Schirme und lassen sich gerne vom Wasser tragen.

„Du hast aber am Anfang von vielen Tieren und Pflanzen gesprochen, wo kommen die denn her?“, wollte eine große Gruppe von Tropfen wissen.

„Ihr meint Fische, Krebse, Seepferdchen, Wasserwümer und Aale“, entgegnete der weitgereiste Wassertropfen.  

„Was benötigen wir für diese Tiere“, wollte Ser wissen.

"Ich glaube, zuerst müssen Pflanzen im Wasser sein, damit die Tiere Sauerstoff zum Atmen bekommen. Pflanzen müssen für Sauerstoff sorgen, sonst gibt es keine Leben. Aber ich sage euch gleich eins: als Wasser werden wir nicht mehr so frei sein, wenn Pflanzen und Tiere im Wasser und an Land sind. Wir müssen sie dann versorgen. Wir werden als Wasser sogar in ihnen leben müssen, um sie am Leben zu erhalten."

"Du meinst wir sind dann für das Leben der Tier und Pflanzen verantwortlich?", fragte Klatsch."

"Genau so ist es", erwiderte der weit gereiste Wassertropfen. "Wir alle zusammen müssen dann Tag und Nacht arbeiten."

"Gut", erwiderte Nass, "sich nur faul treiben zu lassen, in der Luft zu schweben und dann wieder auf die Erde zu fallen wird mit der Zeit auch langweilig. Also versuchen wir es mit den Pflanzen. Dann sehen wir weiter."

„Wo sollen wir denn die Pflanzen hernehmen“, fragte Klatsch.

„Vielleicht weiß die Erde mehr“, meinte Nass.

„Gut, fragen wir sie. Fragen kostet nichts. Frieden haben wir mit der Erde geschlossen. Wenn es geht, helfen wir alle zusammen und versuchen mit der Erde Pflanzen zu finden. Und wenn es am Anfang nur ganz kleine sind.“ Nass war entschlossen die Erde zu fragen. Alle anderen waren damit einverstanden.

Vor fast 3.800 Millionen Jahren (3,8 Milliarden Jahren) versuchten die Wassertropfen mit der Erde ins Gespräch zu kommen. Sie wussten nicht, dass die Erde sie bereits dazu benutzt hatte, erste winzige Lebewesen zu schaffen.

 

Erde und Wasser beginnen miteinander zu reden

Lange, sehr lange versuchten Klatsch und Nass mit ihren Freunden immer wieder mit der Erde ins Gespräch zu kommen.

„Wahrscheinlich schmollt sie noch immer“, meinte Klatsch.

Es sollten nochmals viele Millionen Jahre vergehen, bis die Erde endlich antwortete.   

„Also gut, ihr Quälgeister, ihr möchtet, dass im Wasser Pflanzen wachsen. Habe ich das richtig verstanden?“, fragte Mutter Erde mürrisch. Klatsch und Nass hatte sie ins Herz geschlossen, weil sie den Mut hatten, mit ihr zu sprechen.

„Ja, liebe Erde. Aber wir wissen nicht, woher die Pflanzen kommen könnten“.

„Dafür müsst ihr und eure vielen Freunde schon etwas tun“, brummte die Erde.  „Unter dem Wasser, im Meer, tief unten, leben winzige Bakterien und Viren. Das sind Lebewesen, die sind so klein, dass ihr sie nicht sehen könnt. Sie leben immer in der Nähe von heißen Quellen.“

„Die werden zu Pflanzen und Tieren?“, wollte Was wissen.

„Ja, aber weil sie wegen Euch, den Regentropfen, also dem vielen Wasser, fast kein Sonnenlicht bekommen, können sie nicht wachsen. Ihr müsst sie in flaches Wasser bringen, damit sie mehr Sonnenlicht bekommen. Auf dem Boden im Wasser muss viel Schlamm liegen.“

„Im Schlamm, am Ufer der Meere und Seen wachsen die?“, fragte Ser.

Ja, der Schlamm ist ein Quark für das Leben. Mit Kohlenstoff, Stickstoff, Kalzium, Phosphor, Schwefel, Natrium, Magnesium und Zucker. Zusammen mit dem Wasserstoff, und dem wenigen Sauerstoff der zurzeit im Wasser ist." 

Mutter Erde ergänzte noch: "Ihr werdet euch wundern, wie diese kleinen Bakterien sich in Minipflanzen verwandeln und dort wachsen werden.“

„Danke liebe Erde, aber wie bringen wir die nach oben?“, wollte Klatsch wissen.

„Hmh“, brummte Mutter Erde. „Erst macht ihr euch überall breit, bedeckt mich über und über mit Wasser und dann soll ich euch wieder helfen.“

 „Wir helfen mit, wo immer es geht!“, entgegnete Nass. „Ich rede mit allen Wassertropfen, damit wir das zusammen mit dir machen können.“

„Gut, ich werde ein kleines Erdbeben unter dem Meer losbrechen lassen. Das gibt Wellen. Ihr, die vielen Tropfen im Wasser, müsst diese ganz kleinen Schlammteilchen schnell in flaches Wasser tragen, und sie dann in Ruhe lassen. Es wird dauern, bis sie zu wachsen beginnen. Sie müssen sich erst an das Sonnenlicht gewöhnen. Das Wasser muss die kleinen Tierchen vor der Sonne schützen, sonst verbrennen sie.“

Die Erde wusste, wie schlimm das ultraviolette Licht der Sonne auf die Erde brannte. Es gab noch keine Ozonschicht um die Erde, die das Leben vor den Ozonstrahlen geschützt hätte. Dafür war viel Sauerstoff erforderlich. Zuerst aber musste das Wasser die kleinen Bakterien schützen. UV-Strahlen verlieren im Wasser ihre Kraft.

 

So geschah es. Es war das erste Erdbeben, das die Erde für ein Leben auf der Erde veranstaltete. Vor dreitausend und siebenhundert Millionen (3,7 Milliarden) Jahren begannen Wasser und Erde dem Meer Leben einzuhauchen. Die ersten Lebewesen dieser Erde waren Bakterien und Viren. Zusammen begannen sie im Schlamm des Lebens zu wachsen. 

 

Fortsetzung folgt.

Bitte habt Verständnis, wenn ich nicht jede Woche einen weiterführenden Post einstellen kann, denn die Recherchen sowie die Suche nach guten Informationen erfordern Zeit. 

Ich werde mich aber bemühen, mindestens alle drei Wochen eine Fortsetzung zu posten. 

 

 

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