Warum Wertschätzung?

   Foto: Springer


 

Wertschätzung heißt Anerkennung mit Respekt.

 

Wie oft habe ich in meinem Berufsleben den Begriff "Wertschätzung" in unterschiedlichsten Zusammenhängen gehört. 

In manchen Situationen hat sich bei mir der Verdacht aufgedrängt, "es stimmt, hier wird geschätzt, welchen Wert Menschen für eine Führungskraft haben." 

Besonders dann, wenn die so viel gelobten, "von oben angeordneten" Personalgespräche anstanden, welche zwischen Mitarbeitern und "Chefmitarbeitern" unter beiderseitigem Unwohlsein abgehalten werden mussten.  

Hätte der Chef/die Chefin plötzlich Kritik über die Arbeitsweise seiner Mitarbeiter geäußert, hätten diese Oberwasser bekommen. Ihr Eindruck wäre gewesen, "der traut sich nur dann was zu sagen, wenn es von oben angeordnet ist."

Mitarbeiter mit etwas dickerem Fell werden antworten: "Wissen Sie, das hätten Sie bereits früher sagen können, statt erst auf dieses Gespräch zu warten. Jetzt ist uns wohl beiden viel Zeit verloren gegangen. 

Gegenüber dem Chef schüchtern, aufgeschlossen, aggressiv oder fordernd aufzutreten mündet meistens in der Antwort: "Bitte haben Sie Verständnis, aber meiner Wertschätzung dürfen Sie sicher sein."

In diesem Fall sinkt der hehre, ja fast religiös anmutende Begriff Wertschätzung zur Plattitüde der Bezeichnung des letzten Ausweges ab. 

Treten die Mitarbeiter in etwas schüchterner Verhaltensweise ins Gespräch, eröffnen sich manchem Chef bzw. der Chefin folgende Gedanken: "Entweder trauen mir meine Leute nicht, oder sie haben unerklärlicherweise Angst vor mir."

Aufgeschlossenes und forderndes Auftreten zeugt von gutem Selbstwertgefühl. Wenn dazu gutes bis sehr gutes fachliches Wissen mit vorbehaltlosem  Verhalten kumuliert, wären diese Menschen ein Glücksfall für jedes Unternehmen: egal ob Chef oder Mitarbeiter.

Aggressives Verhalten kann mehrere Ursachen haben, welche eine Wertschätzung erheblich erschweren. Die Ursachen dafür zu finden, erfordert hohe empathische Fähigkeiten gepaart mit langer Konflikterfahrung. 

Herrscht unter den Mitarbeitern ein guter Teamgeist, wird  gut zusammengearbeitet und werden darüber hinaus innovative Vorschläge für die Zukunft einer Abteilung unterbreitet, kommt es auf das Verhalten des Chefs an, ob er in Zukunft wertgeschätzt wird, oder das Vertrauen dieser Mitarbeiter über die Zeit hinweg verliert.

 

Wertschätzung nach "oben" und nach "unten"

Ich war nicht bei den Gesprächen dabei, welche Hansi Flick vom FC Bayern mit seinen Spielern geführt hat, nachdem er den Trainerposten von Niko Kovac übernommen hatte. 

Jedenfalls hat ein Jahr Kovac gezeigt, in welch kurzer Zeit eine kleine Gruppe, durch Verhaltensweisen einer Führungskraft, das bisher vorhandene Vertrauen in eigenes Handeln und Können verlieren kann.    

Statt die bisher fein gewebten Strukturen des Mannschaftsnetzes zu nutzen und diese mit eigenen Ideen zu befruchten, wurde mit verbalen Fehlern und psychologischen Fehlgriffen dieses Netz zerfetzt. 

Niko Kovac hat den Wert dieses Mannschaftgefüges nur für seine Werte geschätzt, leider jedoch nicht mit seinen, unumstritten vorhandenen, Fähigkeiten ergänzt. 

Ob dieses Verhalten den Forderungen der Vereinsführung, den eigenen Egoismen oder dem Zusammenspiel beider Möglichkeiten geschuldet war, sei dahingestellt. 

Wertschätzung darf keine Einbahnstraße sein

Sollte dieses Auftreten mit dem Denken der Vereinsführung im Gleichschritt gegangen sein, ist Kovac den Wünschen der Vereinsführung vollumfänglich nachgekommen. Ob und von wem er für sein Verhalten geschätzt wurde, lasse ich in diesem Zusammenhang dahingestellt.

Er hat damit allerdings seinen guten Ruf und das erforderliche Vertrauen von Fußballern, den Angestellten des Vereins, in sich seine Fähigkeiten auf's Spiel gesetzt.

Als Hansi Flick seinen Dienst antrat, haben vermutlich einige Verantwortliche mit ihren Interessen zurückstecken müssen, denn Erfolge waren erforderlich. Für die Fans und die Vereinskasse, welche wegen leerer Stadien erheblich unter Schwund zu leiden hat.

Wertschätzung heißt Vertrauen schenken und Leistung zurückgeben

Hansi Flick war in der Lage die bisher auf die Ersatzbank "Verbannten" wieder zu integrieren, die "Back Up's" zu motivieren und seine Person mit seinem Trainerteam in den Hintergrund zu stellen. 

Flick und Gerland wussten, wie Motivation, Integration, Respekt, Wohlwollen und Achtung jedem Einzelnen entgegengebracht werden muss. Schnell begann so der gegenseitige Respekt und das Vertrauen in die Fähigkeiten aller Beteiligter zu wachsen. 

Erstaunlicherweise herrschte in dieser Zeit auch zwischen den Spielern ein entspanntes Vertrauensverhältnis, was unter Fußballprofis nicht immer zu finden ist. Die "alten Hasen" engagierten sich für die "Jungspunde" und diese dankten dies mit herzhaftem Einsatz.

Das Ergebnis dieser psychologischen Meisterleistung und einer wahrlich unglaublich gegenseitigen Wertschätzung waren eine Unmenge Titel. 

Jeder Spieler war bereit für das Trainer- und Betreuerteam sowie für seine Kollegen alles, wirklich alles, zu geben. Das Trainerteam wusste, wo und wann sich Schwachstellen im Team auftaten. Sie wussten aber auch, wie diese Probleme schnell und ohne lange Diskussion behoben werden können. 


Das Leben ist ein Geben und Nehmen. Nur wer entspannt geben kann, darf auch entspannt nehmen.
Empfangene und gegebene Wertschätzung vergrößert das Selbstwertgefühl sowohl beim Empfänger als auch beim Geber. Wertgeschätzte Personen sind, wenn sie ein offenes Wesen haben und kontaktfreudig sind, oft auch beliebt.

 (Auszug aus Wikipedia)


Versuchen wir den Begriff Wertschätzung aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. 

I. Menschen und Wertschätzung

1. Warum gründet die positive Bewertung anderer Menschen auf einer inneren, möglichst vorurteilsfreien Haltung?

Ganz einfach: wenn ich von vornherein meinem Gegenüber positiv eingestellt bin, können Vorurteile nicht greifen. Sie gleiten an meinen neutralen Gedanken ab.

Nur, wer ist seinem Gegenüber immer positiv eingestellt?

Vermutlich Menschen ohne Angst und ohne negative Erfahrungen in der Vergangenheit.

 

Vorurteile: die Fesseln objektiver Betrachtung 

Erstes Beispiel: Im Urlaub wurde ein Ehepaar in Rom Opfer eines Handtaschenraubes. Die Handtasche wird nicht mehr gefunden. Papiere, Börse und Scheckkarten, alles ist weg. Schnell wird es zuhause heißen: "In Italien kannst Du nicht auf die Straße gehen. Die Italiener klauen Dir alles und haben dabei keine Hemmung."

Letztendlich kann nicht einmal bewiesen werden, dass die Handtasche "die Italiener" geklaut haben. Es könnten genau so gut Menschen gewesen sein, die mit Italien gar nichts zu tun haben.

Ich war unzählige Male in Italien. Dort wurde mir noch nie ein Auto aufgebrochen. Auch gestohlen wurde mir nichts.

Zweites Beispiel: Mir wurde in den 80ern im Winter am Samerberg bei Rosenheim mein VW-Käfer aufgebrochen. Beide Vordersitze, die Rückbank und das Autoradio waren weg. Sollte ich danach sagen, "nach Rosenheim brauchst Du nicht fahren, die brechen jedes Auto auf." Seitdem war ich oft in Rosenheim. Ein Auto ist mir nicht mehr aufgebrochen worden.

Hätte ich jetzt sagen sollen, es wären Rosenheimer gewesen, die mein Auto damals aufgebrochen haben? 

Es könnten ebenso Mitglieder anderer, organisierter Gruppen gewesen sein, die mit Rosenheim gar nichts zu tun haben. Es könnte aber auch purer Zufall gewesen sein. Ein Vorbeifahrender hat die Chance ergriffen, um zuzuschlagen. Aus welchen Gründen auch immer.

 

Wertschätzung beginnt mit dem Schutz für sich selbst

Jeder wird im Leben negative Erfahrungen sammeln (müssen), um daraus zu lernen. Dieses Lernen dauert ein ganzes Leben. 

 

Wer jedoch seine negativen Erfahrungen nutzt, um anderen ebenfalls Negatives - bewusst - zuzufügen, der hat sich von der Ethik, den charakterlichen Grundlagen, und den Prinzipien des moralischen Zusammenlebens verabschiedet. (O. Springer)

 

Wer sich dafür auch noch benutzen oder bezahlen lässt, hat sein Selbstwertgefühl bereits verkauft.

Selbstwertgefühl und Gewissen.

Ob Gedanken und Handlung sich so optimal ergänzen, um dem Gewissen gerecht zu werden und dem Selbstwertgefühl genügend Freiraum gelassen zu haben, ist aus der Sicht des Handelnden schwerer zu beurteilen als aus der Sicht des oder der Betroffenen. 

Nicht umsonst gibt es den Spruch: "Jeden Tag wächst die Anzahl derer, die mich kreuzweise können."

Dieser Spruch hat einen tieferen Sinn. Irgendwann muss man sich von Menschen trennen oder intensiv separieren, welche versuchen, das eigene, vorurteilsfreie Denken zu beeinflussen oder zu unterdrücken.

Selbstverständlich sollte vorher ein klärendes Gespräch geführt werden - falls das überhaupt möglich sein sollte. Ein solches Gespräch zeigt beiden Teilen den Weg für die Zukunft. 

In Einzelfällen kann es von Vorteil sein, auf solche Gespräche zu verzichten.

 

Mobbing - die unterste Schublade menschlichen Verhaltens

Eine schlimme Grauzone hat sich mit den sozialen Medien etabliert: Die Mobbermasse gegen Mobbingempfänger*innen. 

Ich wehre mich, den Begriff "Opfer" zu benutzen, denn Opfer im kultischen und religiösen Sinn haben eine ganz andere Bedeutung. Menschen wollten die Götter oder ihren Gott gewogen stimmen. Dabei hat bzw. spielt heute noch der Glaube die zentrale Rolle.

Leider hat sich der Begriff Opfer für Mitmenschen mit der Nutzung sozialer Medien etabliert, welcher vermutlich von unwissenden Nutzern aus der polizeilichen Bezeichnung "Tatopfer" abgeleitet wird.


Wertschätzung hat eine Heimat: mich

Wertschätzung beginnt mit der Achtung für sich selbst: "Achte auf Deine Gedanken! Sie sind der Ursprung Deines Handelns." So oder ähnlich lauten einige Sprichworte.

 

Nur wer es schafft, Gedanken ohne List im Flussbett der positiven Worte fließen zu lassen, wird mit ihnen im Ozean der Freiheit seinen Frieden finden. (O. Springer)

 

Glauben Sie nun ja nicht, ich wäre absolut frei von subjektiver Betrachtungsweise. Ich behaupte, das ist niemand. 

Ich kann auch schimpfen wie ein Fuhrknecht, wenn mir etwas gegen den Strich läuft. Aber, am Ende versuche ich mich wieder selbst einzupflanzen ein zu rangen. 

Danach sage ich zu mir selbst: "Du bist auch nur ein Mensch, dessen Verhalten immer wieder wegen seiner Unzulänglichkeit aus den Fugen gerät."

    

2. Warum haben so viele ein Problem, ihnen "fremden" Menschen vorurteilsfrei entgegenzutreten?

Klären wir den Begriff "fremd". 

Karl Valentin hat das sehr gut beschrieben. "Wenn ich aus München in eine andere Stadt ziehe, dann bin ich ein Fremder. Ein Fremder unter Fremden."

Wenn jemand nach München zieht und niemanden dort kennt, ist er ebenfalls "ein Fremder unter Fremden".

Gut, hier ist der Begriff klar definiert. Ich könnte noch hinzufügen, in unserer mobilen Gesellschaft wird es immer mehr Fremde geben. 

Das alles hat mit Wohnsitzveränderung, mobilem Arbeitsleben, Urlaub und Reisen zu tun.

 

"Fremdeln" - Ein Gesellschaftsproblem das Wertschätzung schwierig machen kann?

Mittlerweile hat sich in unserer Gesellschaft aber ein sogenanntes "Fremdeln" breitgemacht. Das Interessante daran ist, es hat mit Abgrenzung von Gesellschaftsschichten zu tun.

Die Ursachen können vielschichtig sein.

Viele Menschen sind von ihrem Arbeitsumfeld und ihrer (Aus)Bildung so geprägt, dass sie sich in der Gesellschaft "Anderer" nicht wohl fühlen.

Sie "Fremdeln". 

Wer sind nun "die Anderen" und warum "fremdeln" Menschen?

Vor noch nicht allzu langer Zeit war die Arbeitswelt in der Ausführung vorwiegend "manuell" geprägt. Das waren die Arbeiter.

Die Arbeitsvorbereitung und Planung dagegen war überwiegend geistige Tätigkeit. Ausgeführt von Angestellten mit meist höherwertiger Ausbildung.

Daher auch die bis in die neunziger Jahre bestehende Unterscheidung von Angestellten und Arbeitern in der gesetzlichen Rentenversicherung, welche bereits seit den 70er Jahren als fragwürdig bezeichnet worden war. 

Handwerksberufe, besonders Meister, konnte man nicht mehr in den überwiegend körperlich aktive Arbeitsbereich eingliedern. Sie waren Kaufleute mit technischer Ausbildung und der Verantwortung für Mitarbeiter und Auszubildende.

Mit der Veränderung des Bildungsniveaus (immer mehr bis viele Abiturienten und Studenten) sollte den sich verändernden Bedingungen der Arbeitswelt (Stichwort neue Technologien) und den Herausforderungen des sich rasant entwickelnden Arbeitsmarktes nachgekommen werden.

Nach wie vor aber waren und sind Facharbeiter sowie Meister in der Arbeitswelt dringend erforderlich, damit das "allgemeine Leben" am Laufen gehalten werden kann.

Mit diesen  Veränderungen bzw. Anforderungen einhergegangen sind die "Sprachwelten" verschiedenster Berufe und Arbeitsbereiche.

Wer einmal Jugendliche über Pc's, Handys und Internet sprechen hört, könnte vermuten, sich in einem fremden Land mit unbekannter Sprache zu befinden.

Wenn Ärzte, Juristen, Notare, IT-Techniker, Bank- und Börsenfachleute, Sportler, Energiespezialisten, Handwerksmeister, Finanzfachleute, Modedesigner, Politiker und ... auch!, professionelle Blogger sich in ihrer Fachsprache unterhalten, verstehen Außenstehende meist ... "Bahnhof".

Mit immer mehr Spezialisierung geht die sprachliche und emotionale Bindung an die "allgemeine Umgebung" verloren. Es bilden sich in Beruf und Freizeit "Fachgruppen" mit eigenen Sprachwelten.

Ob dies ein Trend der Zeit ist oder ein sich in unserer Gesellschaft sich abzeichnendes "Kastensystem" entwickeln könnte, ist wissenschaftlich vermutlich noch nicht untersucht worden.

Die immer weiter fortschreitende Spezialisierung in der Freizeitbewegung und der Berufswelt birgt  das Risiko des Verständigung springende.

Einher geht damit das "Fremdeln" im Hinblick auf Bildung, Beruf und Sprache. 

Parallel mehren sich die Vertrauensprobleme. 

Wie kann ich jemandem vertrauen, dessen "Sprache" bzw. Ausdrucksweise ich nicht verstehe?

Wie kann ich sie oder ihn, dessen bzw. deren "Sprache" ich nicht verstehe, wertschätzen?

Ganz einfach, ich muss diesen Menschen vertrauen!


3. Wie entsteht Vertrauen?

Vor kurzem hatte ich ein Gespräch mit einem Fachmann für Poolbau.

Er war von einem Vorgespräch mit einem evtl. Kunden gekommen.

Bereits während diesem Vorgespräch war ein Anwalt für Vertragsrecht und eine Sachverständige für Umweltschutz anwesend, um die Ausführungen dieses Installationsmeisters  mit zusätzlicher Ausbildung "Poolbau" dem Auftraggeber zu "übersetzen".

Ergebnis: der Poolbaumeister bat die Anwesenden, "sich doch bitte einen anderen Handwerker zu suchen, denn auf diese Art sei jede vertrauensvolle Zusammenarbeit von vornherein ausgeschlossen".

Wer die Medien rund um Ingolstadt in den letzten Jahren verfolgt hat, konnte lesen, dass ein Handwerker in der dortigen Region bekanntgegeben hatte, keine Aufträge mehr bei Führungskräften eines bekannten Industrieunternehmens anzunehmen. 

Auf Nachfrage der Medien konkretisierte dieser Mann mit Unterlagen sein Handeln.

Diese Beispiele zeigen, warum einerseits kein Vertrauen entstehen konnte bzw. wie Vertrauen zerstört werden kann: Wertschätzung wurde einerseits als Verantwortung in "fremde" Hände gelegt und konnte andererseits durch Misstrauen und Enttäuschung nicht zur Entfaltung kommen.

In meinem Auszug aus Wikipedia ist in kurzen Worten alles zusammengefasst: empfangene und gegebene Wertschätzung heben das Selbstwertgefühl.

Wie entsteht nun Vertrauen? 

Durch Mut und Toleranz, verbunden mit Neugier und überschaubarer Risikobereitschaft.

Es sind sehr oft kurze Momente des Lebens, in denen Wertschätzung entsteht: dabei handelt es sich vermutlich immer um einen lautlosen Urknall gegenseitigen Respekts, welcher für die Zukunft die schützende Atmosphäre aus Achtung und Vertrauen bildet. (O. Springer)

 

Ich erinnere mich (gerne) an eine Reifenpanne mit einem Pick-Up in Namibia.

Vier Einheimische dunkler Hautfarbe standen an einer Straße mit Daumen nach oben als Anhalter. Obwohl ich ein mulmiges Gefühl hatte, auch vor Anhaltern gewarnt worden war, hielt ich an. Sie wollten nach Aus, ich nach Lüderitz. Ihr Ziel lag auf meiner Strecke.

In Aus blickte einer Anhalter auf meinen rechten Vorderreifen und meinte: "Master, weit kommst Du mit dem Dorn im Reifen nicht." Seine Warnung hat mir vermutlich einen längeren Aufenthalt unter segnender Sonne erspart.

"Wer entspannt gibt, darf auch entspannt nehmen."

Darüber hinaus halfen alle vier Anhalter beim Reifenwechsel und zeigten mir, wo ich den defekten Reifen reparieren lassen konnte.

Beim Warten auf die Reparatur nahmen wir gemeinsam einen Imbiss in einer Bar. Dort kam ich zum ersten Mal in den Genuss eines Madenomletts, welches hervorragend zubereitet worden war. 

Nebenbei erhielt ich von meinen Begleitern und Helfern noch gute Tipps für meine weitere Tour.

Ich könnte noch einige Beispiele aufzählen, welche belegen, "Vertrauen ist das Fundament jeder Wertschätzung."

Mit Vertrauen wächst die Energie für Neugier, um Neues, Interessantes und bisher Unbekanntes zu entdecken. 

 


 

II. Wertschätzung gegenüber der Natur und ihren Kreaturen

Das Suchen und Akzeptieren sowie Beurteilen von Werten soll und darf nicht auf uns Menschen beschränkt bleiben. 

Achtung, Respekt, Rücksichtnahme und Mitgefühl für Bäume, Pflanzen, Tiere, Luft, Wasser und Erde müssen mit dem Begriff Wertschätzung ebenso verknüpft sein, wie unser Verhalten gegenüber Mitmenschen.

Ich traue mir zu behaupten, "wer sich Flora und Fauna gegenüber respektlos und verachtend verhält, wird sich ebenso gegenüber seinen Mitmenschen verhalten."

Leider haben wir "angeblich zivilisierte Menschen" wenn überhaupt, nur noch minimale Kenntnisse über das Zusammenspiel von Feuer, Wasser, Luft und Erde. Die wenigsten machen sich überhaupt Gedanken über die Zeit, welche das wohl einzig stabile Element neben den anderen Elementen sein dürfte.

Sogar der Respekt gegenüber der Zeit ist auf Formelanwendungen herabgesunken, welche benutzt werden, um Werte zu berechnen, Geschwindigkeiten zu messen und Durchschnittsalter zu bestimmen. 

 

1. Wertschätzung beginnt damit, die Zeit zu verstehen!

Jede Pflanze, jeder Baum, jedes Tier und nicht zu vergessen auch wir Menschen benötigen Zeit. Nur über die Zeit ist Wachstum möglich. 

Jetzt wird mir sicher geantwortet: "Wachstum hängt mit Nahrung zusammen."

Absolut richtig! Nur die Zusammenhänge von Wachstum um Zeit gehen Hand in Hand. 

Bäume und Pflanzen benötigen Boden, mit vielen Klein- und Kleinstlebewesen, welche ihnen die Nahrung für das Wachstum bereiten. 

Bis diese Bodenbakterien in ausreichender Anzahl für Pflanzen und Bäume vorhanden waren, sind Milliarden von Jahren vergangen.

Es hat wiederum Millionen von Jahren gedauert, bis auf der Erde Wälder, Steppengebiete und Grasflächen entstanden sind. Erst vor 400 Millionen Jahren begann sich langsam das Leben an Land zu entwickeln. 

Vor acht bis sechs Millionen Jahren spaltete sich in Afrika ein Zweig von Menschanaffen ab, aus dem vor drei bis zwei Millionen Jahren der frühe Mensch und vor einhundert tausend Jahren der "moderne" Mensch, der Homo-Sapiens, hervorging.

 

Wertschätzung der Natur bedeutet, das Leben der Natur kennenzulernen, bevor man versucht, die Natur als Sklave zu behandeln. 

Wer der Natur keine Wertschätzung entgegenbringt, kann sich selbst nicht wertschätzen; wir Menschen sind, ob wir es wissen wollen, oder auch nicht, ebenfalls ein Teil der Natur. 

Leider derzeit das schlimmste Raubtier auf Erden.    

 

2. Eigene Meinung - sehr dünnes Eis

Leider ist es nicht mehr opportun, sich kritisch über einzelne Meinungen zu äußern, denn jeder fühlt sich sofort angegriffen.

Das zeigt, wie sensibel oder auch egoistisch der Begriff Wertschätzung im Hinblick auf Natur und Menschen genutzt und benutzt wird. 

Brauchen wir ein Naturschutzministerium? 

Brauchen wir in Europa immer noch mehr Lebensmittel aus aller Welt, um am Montag vietnamesisch, am Dienstag indisch, am Mittwoch argentinisch, am Donnerstag südafrikanisch und am Freitag Fisch aus aller Herrenmeere essen zu können? 

Halt, Entschuldigung, die italienische, französische, griechische und Balkan orientierte Küche habe ich ganz vergessen.

Am Samstag wird dann noch regional, einheimisch im Lokal gegessen, denn da bleibt die Küche kalt. 

Am Sonntag erholen wir uns von der Völlerei der ganzen Woche mit Tee aus Sri-Lanka, denn unser Magen ist ja auch nur begrenzt belastbar.

Dafür fahren wir am Freitag Abend in den weit entfernten Bio-Laden, selbstverständlich mit dem Hybrid-Auto und holen uns die Teeblätter in der Spezialabteilung.  

Wenn wir Umweltschutz nach dem Motto "... und in China oder in Südamerika, ganz zu schweigen von Rußland ... " betreiben und glauben, nur mit extremer Ideologie die Wende zum Besseren zu schaffen, dann werden mir nichts, gar ncihts erreichen. 

Unsere Wertschätzung endet damit an den politischen Grenzen und an den Grenzen des Wohlbefindens in unseren Köpfen. Wertschätzung verflacht mit unserem Denken! 


3. Wer trägt nun eigentlich die Verantwortung für die "Verflachung" der Wertschätzung?

Nebenbei schauen wir auf die Aktienwerte der Rohstoffe, da wir unsere Altersvorsorge ja in Aktien angelegt haben. Hoffentlich sinkt der Verkauf von Neuwagen nicht ab, denn die Rohstoffe in die ich angelegt habe, werden für die Autoherstellung dringend benötigt. 

Woher die Rohstoffe für die Herstellung von Mikrochips und Elektroautos kommen ist doch völlig egal. 

Egal ist auch wie sie abgebaut und gewonnen werden. Ob das Kinder in Entwicklungsländern oder Zwangsarbeiter in Afrika machen? 

Egal, Hauptsache unsere Wirtschaft wächst und unsere Sorge vor dem Alter und evtl. geringerem Einkommen in diesem Lebensabschnitt sinkt. 

Egal, welche Phrasen von Politikeren und Wirtschaft ohne Denkkatalysatoren in die Umwelt geblasen werden, der sogenannten Wertschätzung, welche doch innerhalb eines Unternehmens oder Ministeriums so hoch gehalten werden soll, wird damit nicht Rechnung getragen.

 

Letztendlich ist es aber immer unser eigenes Verhalten, das Wertschätzung auf eine gerade noch ertragbare Akzeptanz von Egoismus und schlechtem Gewissen zusammenschmelzen lässt. (O. Springer)

  

Deshalb möchte ich nicht versäumen, darauf hinzuweisen, den Blick zuerst immer auf sich selbst zu richten. 

Im Spiegel der Eitelkeiten erkennen empathische Menschen sehr schnell, wann sie die Handbremse ziehen müssen, um sich selbst, ihre Mitmenschen und damit, soweit möglich, ihre Umwelt im engeren und weiteren Sinn zu schützen. 

Leider sind Empathie, Rücksicht, Mitgefühl, Achtung für anderes Leben und neutrales Denken keine Rohstoffe, mit denen sich monetärer Support bilden lässt.

Sie bilden aber die Basis, welche die Menschheit zum Überleben benötigen wird. 

Vielleicht erhalten die genannten Eigenschaften im Ernstfall die Wertschätzung, welche ihnen bisher nur zähneknirschend und minimalistisch zugestanden worden ist.

 

 

 


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