Die Lust des Denkens und die Ekstase des Wortspiels

 

 


 

Haben wir Angst vor der Macht der Gedanken?

Als Hobby-Blogger stellst Du Dir manchmal Fragen, welche, genau betrachtet, gar nicht erlaubt sein dürften. 

Du hinterfragst den Sinn Deiner Arbeit. 

 

Meinen Gedanken erlaube ich dabei auf Wanderschaft zu gehen oder zu fliegen. Dabei durchstreifen sie, ohne mich zu fragen, Zonen des freien Denkens, welche ich ohne sie niemals aufsuchen würde. 

Sie fliegen mit mir im Raumschiff der Fantasie in Welten und Galaxien, von denen ich noch nie etwas gesehen oder gehört habe. Dabei kann ich nur staunen. Meine Eindrücke in Worte zu gießen, um sie in Texten zu installierter, fällt mir manchmal unsagbar schwer. 

Vermutlich wollen meine Gedanken nicht alle ihre Erfahrungen preisgeben.  

 

Sehr oft habe ich das Gefühl, sie wollen mir den Weg in die Freiheit zeigen. 

Dabei stelle ich mir die Frage, "wehre ich mich dagegen?"


Wenn Gedanken von der Startbahn der Sehnsucht abheben, um einen Flug mit dem Space-Shuttle der Freiheit in den Weltraum der Zeit zu unternehmen, bin ich ein begeisterter Passagier. 

Mit meinen Gedankenpiloten fliege ich durch Raum und Zeit. Zusammen mit der Stewardess Fantasie nutzen sie meinen Schreibtisch als Startbahn. Diese führt mich in die First-class des Traumschiffs Denksurprise. Zusammen erkunden wir unbekannte Gefilde der Schwerelosigkeit des Denkens.

Sie nehmen sie mich mit in unerforschte Gebiete, legen mit mir in Sekunden Millionen von Lichtjahre zurück. Wir reisen gemeinsam durch den Nebel der Zeit. Sehr oft begeben wir uns auf lange Erkundungsflüge und genießen die Zeit der Freiheit der Unendlichkeit.   

Wir verlassen die Grenzen unseres Universums und fliegen in den Weltraum des Unbekannten Seins. Dort, wo noch nie Licht war, aber Neutrinos der Zeit in der Unendlichkeit des Raumes bereits warten, endlich vom Licht besucht zu werden.

 

Manchmal fliegen sie zu meinem großen Bedauern ohne mich. 

Der Grund? 

Ich suche verzweifelt passende Formulierungen für einen Text. Dabei haben sie es mir schon so oft laut und deutlich gesagt: "Du brauchst mehr Freiraum für uns und deine Worte, damit das Herz deiner Gedanken entspannter schlagen kann!"

 

Wir fliegen nicht nur. Wir unternehmen zusammen die Wanderungen in unsere gemeinsame Vergangenheit. 

Zusammen erkunden wir unsere Denkgebiete, um dort gelungene Formulierungen, aber auch vergeudete Worte meiner Texte und Reden zu suchen. 

Es sind die kurzen Ausflüge in unsere gemeinsame Vergangenheit. Wir lieben diese Kurzausflüge, da sie mir meine Texte der Vergangenheit im Spiegel der Selbsterkenntnis vor Augen führen.

Vermutlich zur Entschädigung laden sie mich manchmal ein, mit ihnen gemütlich entlang romantischer Gedankenflüsse zu schlendern. Auf Berge von Zweifeln zu steigen. Von deren Gipfeln in die Täler der Sehnsucht zu blicken, um mit ihnen in der Natur der Freiheit die Momente des Glücks zu genießen.

 

Wanderungen in meine Gedankenvergangenheit lassen mich an mir zweifeln. 

Sehr oft kommen wir mit einem Rucksack voller Wortgerümpel zurück und ich bin enttäuscht, wie wenig spirituell wertvolles ich meiner Vergangenheit geschenkt habe. 

Meine Gedanken öffnen gnadenlos ihre Rucksäcke und schütten mir manch peinliche Formulierung, viele Missverständnisse, ja sogar verletzendes vor die Füße.  

Allgemeinplätze, Phrasen und Sätze ohne greifbare Inhalte befinden sich ebenfalls darin. 

Mit Erschrecken erkenne ich, "ich bin nicht besser als manche Politiker oder andere oberflächliche Mitmenschen, welche ich immer wieder für ihr Denken kritisiere. 

 

Meine Meinungen zu interessanten Themen waren viel zu opportun; manchmal habe ich gar nicht versucht, Probleme zu erkennen und Zusammenhänge zu suchen. Noch schlimmer: meine Leser konnte ich deshalb nicht erreichen. Zu Recht wandten sie sich ab und schüttelten den Kopf. 

Ich war zu nachlässig, viel zu sehr mit mir beschäftigt, um ihnen mein Denken, garniert mit bekömmlichem Wortgemüse, sanft geschrieben zu servieren, damit meine Buchstabenkreationen einer Prüfung für die Aufnahme in den "Guide La Parole" standhalten könnten.  

Ab und zu sind meine Gedanken viel zu erschöpft, frustriert, auch traurig. Sie schauen mich an, als wollten sie sagen, "mach das nie wieder, sonst kündigen wir dir die Zusammenarbeit auf."

 

Ich entschuldige mich, gelobe Besserung. Verspreche meinen Gedanken, mehr auf ihre Schwester, die Geduld, zu hören. 

Meine Gedanken mögen schnell und beweglich sein. Leider fehlt ihnen wegen meines Eigensinns noch die Technik, um sich mit Ausdauer und Eleganz auf dem Spielfeld der Literatur geschmeidig zu bewegen.  

Meinen Worten fehlt zu oft die Kraft, um die Transparenz der Gedanken im Moment des Redens oder Schreibens wiederzugeben. 

Ich habe ein schlechtes Gewissen. 

Ich bin kein guter Schäfer meiner Gedanken. Ich führe sie zu selten über die saftigen Wiesen der Filosophie und lasse sie meist zu kurz an den Bächen der Erkenntnis trinken.

Es gibt aber auch Tage, an denen meine Gedanken entspannt und erholt nach einem Ausflug bei mir eintreffen, um mich für Gelungenes zu loben. 

Sie wären von der Vergangenheit beauftragt worden, mir folgendes auszurichten: "Seine Fehltritte kann ich ihm verzeihen, da er nicht aus Gier oder Lust am Verletzen gehandelt hat, sondern sich mit Zorn und Wut gegen Unrecht gewehrt hat." Ich solle daraus für die Zukunft lernen und mich bessern!

So befinde ich mich täglich in einer Zwickmühle: zwischen den Gewürzen meiner Gedankenzutaten und den Kochtöpfen meiner Schreiblust. 

  

Die nicht zu bändigende Kraft der Gedanken lässt Last zur Lust werden.

Die Lust des Denkens darf sich in der Ekstase des Wortspiels austoben.

      

Wie viele Gedanken hat ein Mensch am Tag? Wissenschaftliche Studien belegen, wir Menschen haben am Tag zwischen 60.000 und 80.000 Gedanken.

Wahnsinn! 

Diese unglaubliche Zahl auf einen Monat hochgerechnet, mit einem Durchschnitt von 70.000 -. Danach kämen wir Menschen auf 2Millionen - 1hunderttausend Gedanken, im Monat.

Wie viele Gedanken waren gut, wie viele waren unbrauchbar, wie viele sollte man gar nicht gedacht haben? Ich weiß es nicht. 

Es tröstet mich folgende Schlussfolgerung: so schlimm kann es nicht sein, sonst würde die Welt um uns im Chaos der Denkfehler versinken. 

Die Mehrzahl unserer Gedanken muss aus der guten Welt kommen. Es sei denn, ich wäre nicht mehr in der Lage, die Feinheiten des Guten und die vielleicht noch filigraneren Schöpfungen des Schlechten voneinander zu trennen. 

Leben in Deutschland, in Europa und in vielen Ländern dieser Welt bedeutet für viele "Selbstverständliches": geregelte soziale Strukturen, Frieden, Freiheit, Gesundheit, ausreichende Nahrung, gute Kleidung, warme Wohnungen und nicht zu vergessen, weil mittlerweile für viele ebenfalls selbstverständlich, Luxus in jeder erdenklichen Art.

Es gibt aber auch andere Orte und Gebiete dieser Erde, deren Bewohner keine oder nur wenige der genannten "Selbstverständlichkeiten" für ihr Leben in Anspruch nehmen können. 

Dabei stellt sich die Frage, wer von allen glaubt nur wegen "Selbstverständlichem" glücklich zu sein, und, wer kann sich trotz fehlendem "Selbstverständlichem" ebenfalls als glücklich bezeichnen. 

 

Egal ob reich, arm oder dazwischen: folgen die Gedanken unseren Fantasien oder entstehen Fantasien durch unsere Gedanken? 

Unumstritten spielen dabei Beobachtungen und Erfahrungen eine große Rolle.

Nehmen wir das Beispiel Feuer, welches Urzeitmenschen vermutlich erst durch Blitzeinschläge entdeckten. Als sie weiterziehen wollten, wollten sie das Feuer mitnehmen. Nur wie?

Ein Urzeitmensch hatte beobachtet, dass Holz brennt. Es war möglich eines oder mehrere brennende Holzstücke mitzunehmen. War ein Holzstück abgebrannt, konnte man andere Holzstücke damit wieder neu entzünden. Feuer konnte so transportiert und mitgenommen werden.

Der Wunsch, es warm zu haben, war durch Beobachten, Denken und Handeln (Gedankenkette) Realität geworden.      

Meine Gedanken verhalten sich ebenso: sie wandern oder fliegen nicht nur in die Vergangenheit; sie genießen Flüge in die Zukunft. Zusammen mit dem Raumschiff Zukunftseuphorie erkunden sie für mich Denkbereiche, welche in mir die Hoffnung wecken, in diesem Leben noch viele Fragen beantwortet zu bekommen. 

Ich gebe es zu, ich bin ein Antwortensucher.

Sind wir nicht alle Suchende? Wir haben alle Fragen. Warum stellen wir viele Fragen nicht?

Zum Beispiel stelle ich die Frage, warum wir bis jetzt die Fenster nur dazu benutzen, um durch die Wände schauen zu können. Warum nutzen wir Glas nicht allgemein zur passiven Wärmegewinnung. 

Beobachten wir ein Auto im Winter bei - 10° C. Sobald die Sonne durch die Scheiben scheint, erwärmt sich der Innenraum des Autos. 

Glaskuben vor Fenstern bzw. Wänden könnten im Winter bei Sonnenschein einen hohen, für jede Wohnung individuellen Wärmegewinn bringen. 

Im Sommer könnte die Wärme entweder abgeleitet werden, oder durch Thermovoltaik in Energie umgewandelt werden. Hierfür müssten die Kuben per Leitung zusammengeschlossen werden.  

 

Andererseits: müssen alle Fragen beantwortet werden? Eine schwierige und zugleich interessante Konstellation.

Sicher ist auch, es können nicht alle Fragen zufriedenstellend beantwortet werden. 

Wenn ich frage, ob Zeit immer war oder erst nach dem Urknall entstanden ist, wird sofort eine heiße Diskussion entstehen. Vermutlich werde ich nie die passende Antwort erhalten, da es unmöglich sein dürfte, diese Frage abschließend mit wissenschaftlichen Nachweisen zu klären.  

Je öfter ich diese Frage stelle, um so mehr Antworten erhalten ich. Manchmal wird mir erwidert, "sich über solche Dinge Gedanken zu machen bringt doch nichts."

Bringt es wirklich nichts?

Vermutlich werde ich damit keine Reichtümer ansammeln oder zumindest bescheiden Geld verdienen, sofern ich keine Erfindung mache. 

Trotzdem beschäftige ich mich damit. Meine Gedanken lassen mich in alle Bereiche der Wissenschaft, der Philosophie, der Mathematik, der Lyrik und, ganz banal, des Ablaufs des täglichen Lebens hineinblicken. Sie fordern mich auf, hinzusehen, zu beobachten, Schlüsse zu ziehen, aber auch sehr kritisch mit mir selbst zu sein.

Führen wir uns einige technische Erfindungen vor Augen:

Die Dampfmaschine: Ein relativ einfaches Prinzip. Druckkessel, Kolben, Zylinder, Schieberkasten und Schieberstange. Nur wer hat es auf die Reihe gebracht? Ja, alle wissen es: James Watt. Stimmt nicht ganz. James Watt hat das Patent angemeldet. Erfunden war das Prinzip der Dampfmaschine bereits vorher.

Verbrennerautos, mit Benzin oder Diesel betrieben, arbeiten nach dem gleichen Prinzip, nur dass es sich dabei um Zufuhr von Brennstoff handelt, welcher, mit Explosionen nahe den Ventilen, die Pleuelstange des Fahrzeugs bewegen. Diese setzt über den Antrieb die Räder in Bewegung. 

Es waren Erfindungen, welche das Leben und die Bedürfnisse der Menschheit, ebenso wie das Zusammenspiel der Kräfte der Natur, mit der Zeit veränderten.

Bei aller Veränderung: Die Natur wird immer einen neuen Weg finden, um neues Leben hervorzubringen; die Menschen sind leider nur eine temporäre Begleitung des Wandels. Sie werden noch einige Millionen Jahre auf dieser Erde von der Natur geduldet. Danach müssen sie sich vermutlich wieder dem Kreislauf des Kommens und Vergehens von Lebewesen auf der Erde unterordnen. 

Bis es so weit sein wird, werden im Zusammenspiel von Denken und Gedanken noch viele Erfindungen und Neuerungen das Licht der Erde erblicken.   

Die Basis aller Erfindungen waren Betrachtung, Beobachtung, Denken, Gedanken. Begleitet vom Wunsch der Nutzung und Anwendung zur Verbesserung von Lebensumständen. 

Neid, Missgunst, Dummheit und Bequemlichkeit begannen bereits sehr früh ihre Fallgruben im Wald der Faulheit zu graben.

 

Die Gedanken begannen sich zu teilen - so wie sie es heute noch machen. 

Die Familie der innovativen Gedanken und Ideen wurde und wird von den Stämmen des destruktiven Denkens angefeindet, bedroht und bekämpft.    

Innovative und freie Gedanken wurden im Lauf der Zeit Gefangene. 

Gefangene im Sinne von "mehr, schneller, weiter, reicher".

Die Folge waren Konkurrenzkämpfe. 

Das Ergebnis Kriege, welche in der Neuzeit mit Panzern, Flugzeugen, Drohnen und am Ende mit Atomwaffen ausgetragen wurden und hoffentlich, wegen der grausamen Erfahrungen nicht mehr werden. Wobei, ausschließen möchte ich nichts.

Wie ich schon sagte, "die Natur wird immer bestehen, der Mensch jedoch ist und bleibt nur ein temporärer Begleiter des Wandels der Natur."    

  

Gedanken haben Macht - sie können aufbauen und zerstören.

Unser Handeln wird von unseren Gedanken geführt.


Unsere Gedanken leiten unser Denken, unser Denken begleitet unser Handeln. 

Hier stelle ich die Frage, "wie entstehen Gedanken?"

Ich sehe etwas, mache mir darüber Gedanken. Ich interagiere mit meiner Umwelt. Soweit so gut. 

Wie aber beeinflusst meine Fantasie die Gedanken? 

Ich sehe in der Nacht am Himmel viele leuchtende Punkte: Es sind Sterne, Sonnensysteme und Galaxien. Mein Verstand, verbunden mit meinem wenigen Wissen über das Weltall und das in meinen Augen ankommende Licht sagen mir, dort ist etwas, das sich im Weltraum befindet und mir über das Licht mitteilt, wo es sich vor eventuell einigen Millionen oder  Milliarden Jahren aufgehalten hat.

Meine Fantasie schenkt in diesem Moment den Gedanken Kraft und Energie. 

Ob ich will oder nicht, ich überlege, ob unser Weltall einen Anfang und ein Ende hat, ob es sich immer weiter ausdehnt, ob die schwarzen Löcher im Weltraum Energiespender, Energievernichter oder beides in Einem sein könnten. Dabei stellt sich mir die Frage, ob dieses oder jenes Sonnensystem noch existiert oder bereits der unvorstellbaren Zerstörungskraft eines schwarzen Lochs zum Opfer gefallen sein könnte. 

Meine Gedanken interagieren mit meiner Fantasie und dem von mir über die Augen erfassten Licht. Die Phantasie lässt meinen Gedanken den Freiraum, den die Fakten bereits erforschter und nachweisliche erkannter Bereiche nicht mehr zur Verfügung stellen können.

 

Unsere Gedanken können leider auch Waffen sein. 

Lautlose Waffen, mit denen andere bekämpft werden. Sei es aus Gier, Rache, Geltungsbedürfnis oder auch nur Lust am Leiden anderer. Seien es Menschen, Tiere oder die Natur. In diesen Fällen richten sich Gedanken gegen andere - letztendlich aber auch gegen ihren "Herrn", denn sie richten internen und externen Schaden an. 

 

Gedanken besitzen noch andere Fähigkeiten. 

Sie sind in der Lage zu verletzen, wenn nicht sogar zu morden. Gedanken beeinflussen unser Denken und Handeln. Im Positiven wie im Negativen. 

Wobei es bei der Bewertung positiv und negativ darauf ankommt, auf welcher Seite der Grenze wir stehen und wie unser Denken bereits in gewünschte Bahnen gelenkt worden ist oder in Zukunft gelenkt werden wird. 

Gedanken sind in der Lage psychische Katastrophen in uns hervorzurufen, Verzweiflung, Angst, Selbstmitleid, Verhaltensstörungen bis hin zum Selbstmord. Und niemand weiß genau, wann sie entstanden sind, woher sie gekommen sind und ob sie sich wieder zurückziehen werden. 

In diesen Fällen richten sie sich gegen ihren "Herrn".

Werden Gedanken aggressiv, wenn sie Schablonen gezwängt werden?

Indem sie versuchen aus ihrem "Gefängnis" auszubrechen, zerstören sie vermutlich lebensnotwendige Gefühle. Dabei ist es ihnen egal, ob es sich um ihren "Herrn", seine Freunde oder dessen Gegner handelt. 

Ab einem bestimmten Punkt, dem "Point of no return", geraten sie vermutlich außer Kontrolle. 

Sie übernehmen dabei die Gesamtleitung menschlichen Verhaltens. 

Erst vereinen, danach pressen sie Instinkt, Fantasie und Kraft für bestimmte Zeit in eine Rüstung, welche aus Wut und Zorn geschmiedet wurde, um damit ihr Überleben zu sichern. 

Während ihres Kampfes nehmen sie keine Rücksicht auf Gefühle, Verbote oder Gebote. Sie ignorieren Gesetze und Vorschriften. Sie nehmen keine Rücksicht auf Körper und Seele.  


Werden unsere Gedanken von der Zivilisation in Reservate gedrängt?

Verkümmern unsere Gedanken in den Interessengefängnissen?

 

Ich erlaube mir zu fragen, ob es Gedankenreservate oder -gefängnisse gibt. 

Ob  Menschen in verantwortungsvollen Positionen bereit und in der Lage sind, Gedanken zu kontrollieren, in Reservate zu drängen oder in Interessengefängnissen hinter hohen Denkmauern auszugrenzen oder einzukerkern?

Viele würden es sich vermutlich wünschen, so handeln zu können. 

Andere haben es bereits getan (ehemalige DDR) oder tun es noch immer (hier möchte ich keine Staaten oder Namen nennen. Jeder hat darüber eine andere Meinung). Die Realität bringt es jedoch immer wieder ans Licht: Gedanken suchen ihren Weg in die Freiheit und werden ihn immer wieder finden. 

Man könnte auch sagen, "die Zeit schenkt unseren Gedanken Geduld und Ausdauer, um sich ihre Freiheit zu suchen."

Seien wir, die wir behaupten unsere Gedanken frei fliegen lassen zu können, nicht hochmütig: wir haben ebenfalls unsere Probleme mit dem Flug unserer Gedanken. Pro und Contra stehen sich auch bei uns gnadenlos gegenüber, verfeindet, spottend und abschätzig, selten kooperativ und gemeinsam suchend.

Ich erinnere nur an die Fankulturen von Fußball und Politik.

Fast zwanghaft wird versucht individuelle Gedanken im Karussell "Duktusdenken" der Vereine, der Parteien und unserem Umfeld zu integrieren, statt dem individuellen Denken mit den daraus resultierenden Erkenntnissen Freiraum für Gemeinsames zu verschaffen.

Wer in der Politik Kritik an der eigenen Partei oder deren Programmen übt, dürfte es schwer haben, sich mit seiner Meinung in den eigenen Kreisen Gehör zu verschaffen. Abwahl, Parteiausschluss und am Ende die Ächtung solch selbständig Denkender sind die Konsequenz.

Die Fankultur im Fußball kennt nur eines: die bedingungslose Hingabe für den Verein und seine Protagonisten. Abweichendes Denken verboten. Egal, ob die Handlungsweisen "der Oberen" den Regularien gesellschaftlicher Grundsätze entsprechen. 

Jüngste Beispiele (Schalke 04 und Tönnies, FC Bayern und Katar,  zeigen allerdings, die Gedanken mancher Mitglieder erreichen mittlerweile auch die Gehörgänge eingefleischtester Fans.

 

Dabei zieht eine sehr interessante Frage ihre Kreise:  

 

Können Gedanken kontrolliert werden?

Ja und nein. 

Sobald ich meine Gedanken auf die Reise schicke, sei es in Wort, Schrift oder Kunst, können sie beurteilt werden.

Mit der Beurteilung meiner Gedanken wird die erste Stufe zur Kontrolle beschritten.

Wie erfolgt eine Beurteilung? 

Eingeschränkt subjektiv oder überwiegend objektiv? 

Ist eine objektive Beurteilung überhaupt möglich? 

Anders gefragt, in welcher Position befinden sich die, welche beurteilen - die Beurteiler. 

Beurteilen sie aus intuitiver Freude am Gesagten, Geschriebenen, Gemalten, Fotografierten, Gestaltetem usw.; beurteilen sie nach rein rationalen Gesichtspunkten oder sind sie zur Beurteilung aufgefordert worden? Stehen sie am Ende sogar in Konkurrenz mit dem zu beurteilendem Werk oder den Gedanken derer, welche die zu beurteilenden Werke geschaffen haben?

Kinder beurteilen vermutlich immer intuitiv. Ihre Gedanken sind noch nicht von äußeren Maßstäben beeinflusst. Sie strahlen, sie freuen sich. Sie sind traurig oder niedergeschlagen. Ihr Gedanken und Gefühle urteilen überwiegend objektiv. Warum? Weil sie noch nicht mit vielen Erfahrungen aus der Vergangenheit belastet sind. 

Jugendliche stehen an der Schwelle zum Erwachsenwerden, empfinden aber noch die Leichtigkeit der Kinderzeit. Sie schwanken zwischen Objektivität und Subjektivität, da sie sich mit der Entwicklung ihrer Persönlichkeit auf der Suche nach ihrem Platz in der Gesellschaft befinden. 

Ob Erwachsene objektiv beurteilen (können), dürfte schwierig zu beantworten sein. Erwachsene tragen bereits einen großen Erfahrungsschatz mit sich. Bei jedem Versuch, objektiv zu urteilen, werden sich subjektive Erfahrungswerte einschleichen. 

Selbst wenn versucht wird, subjektive Gedanken möglichst weit in den Hintergrund zu drängen, um der Objektivität den Vortritt zu lassen.    

Nach der Beurteilung, sei es von Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen, kann meine Arbeit, meine Kunst, mein Werk, aber auch mein Leben, kurz mein Denken und Verhalten stärker kritisiert und intensiver kontrolliert werden: mit wem treffe ich mich? Was esse ich? Wie viel Energie verbrauche ich? Wen kritisiere ich? Wen lobe ich?

Wie verhalte ich mich bei aller Kontrolle oder Kritik?

Mit der Beurteilung meiner Worte, meiner Werke und der Kontrolle meines Verhaltens kann indirekt (verbal oder in schriftlicher Form) in meine Gedanken und mein Denken eingegriffen oder eingedrungen werden. 

Sei es in zustimmender oder ablehnender Weise.

Die Reaktion darauf wird immer subjektiv sein. Jeder Mensch verhält sich anders. Die vorsichtig Schüchternen schränken ihren Gedankenradius ein, die mutig Aktiven sagen, "jetzt erst recht, ist mir doch egal, wie über mich gedacht wird." 

Egal ob vorsichtig oder mutig, die Vorsicht lässt sich nicht wegsperren.  

 

Die Vorsicht ist das Warnsystem unseres Denkens und Verhaltens. 

Sie steuert das Immunsystem unserer Denkprozesse. 

Am Ende wird die Vorsicht zum Chamäleon der Worte.

 

Vorsicht schützt meine Psyche und mein Denken vor Angriffen oder Zerstörungen. 

Meine Gedanken bleiben zwar frei, nach Kritiken oder Beurteilungen beginnen sie jedoch sich hinter der Vorsicht zu verstecken. Ich schreibe oder sage vieles Gedachte nicht mehr in harter, direkter Art. 

Ich umschreibe und formuliere defensiv.

Meine Gedanken schweben über meinen Worten oder Werken; ausgedrückt oder gesagt wird das Passende. Das, welches die Beurteiler positiv empfinden.

Diese sind erfreut, ist man ihren Gedanken sehr nahe gekommen. So gestreichelt, müssen Beurteiler oder Kritiker nicht erst im Feld kontroversen Denkens ihre eigene Meinung finden.

Kritik an Gedanken sollte die Würze für neues Schaffen sein. Freiwilliges unterordnen behindert die Eigeninitiative des Denkens.  

 

Ganz anders verhält es sich bei Repressalien: wird Druck oder Gewalt gegen Personen oder deren Denken und Äußerungen ausgeübt, hat die Gewalt die Kontrolle bzw. die Kritik übernommen.  

Bei aller Beurteilung und Kontrolle: meine Gedanken bleiben frei, solange Worte oder Werke von Repressalien verschont bleiben.

Sobald ich, meine Gedanken und mein Denken, mit Repressalien zu kämpfen hätten, wäre ich nicht mehr frei. Mit "ich" meine ich mich als Person. 

Meine Gedanken wären frei bzw. könnten immer noch frei sein. Ich könnte sie jedoch nicht mehr in freier Form äußern. Ich wäre gezwungen, meine Formulierungen den Erfordernissen meiner "Aufsicht" anzupassen. 

Hier beginnt der Zwang der Formulierung, welche im Reservat des Denkens ihre Freiheit in kunstvoll und kontrolliert gewählten Worten suchen muss.

 

"Man muss zwischen den Zeilen lesen, um zu verstehen, was sie oder er uns mitteilen wollte."

Zeugen Aussagen dieser Art von hoher Intelligenz, verbunden mit der Fähigkeit sich über die Worte eines Textes den Sinn der Mitteilung mit ihren Inhalten verständlich zu machen?

Diplomatie dürfte das bekannteste Chamäleon der Worte auf dieser Erde sein. Gedanken und Aussagen werden in angenehme Kleider gepackt, welche mit ihrem Design derart blenden, dass der Blick auf die Realität unmöglich wird. 

Diplomaten überbringen meist Noten: Verbalnoten - die Vertretung eines Staates bzw. einer Staatengemeinschaft überbringt in einem Brief Entscheidungen, Warnungen oder Vorschläge dem Außenministerium des Empfangsstaates.

Sehr oft kann aus diesen Noten nur interpretiert werden, was in der Vergangenheit nicht selten zu Missverständnissen, ja sogar zu Kriegen geführt hat. 

Gedanken werden zu Wortchamäleons, welche sich der Umgebung, an die sie gerichtet sind, sowohl im äußeren Erscheinungsbild, als auch mit ihren Inhalten anpassen. Welcher Erfolg damit erzielt werden kann, hängt wiederum von den Gedanken der Verantwortlichen von Adressat und Absender ab.        

 

Schafft es die Zivilisation Gedanken in Reservate zu drängen?

Oder, haben wir sie bereits im Gefängnis der Zivilisation weggesperrt?  

 

Ich würde beide Fragen mit JA antworten.

Unser Denken hat sich aus unterschiedlichsten Gründen freiwillig in das Reservat der Zivilisation begeben. 

Wir wollen und doch möchten wir nur, wir sollen, müssten aber eigentlich, wir dürfen etwas, dabei könnten wir mehr.  

Unser gesamtes Leben bewegt sich im Reservat einer fragwürdigen Zivilisation.

"Mögen hätten wir schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut." Karl Valentin, ein Münchner Humorist, hat es auf den Punkt gebracht. 

 

Elektrizität, Mobilität, Medizin, Wohnen, Essen, Trinken, Kleidung, Bildung und Schule, Kunst, Kultur, Arbeit, Sozialwesen und Infrastruktur. Bitte nicht zu vergessen: Finanzen.

Genau an diesen Begriffen orientiert sich unser Denken. 

Unsere Gedanken hätten die Kraft, darüber hinaus zu denken, über die Grenzen des Reservats hinauszufliegen, um von dort mit interessanten Erkenntnissen  zurückzukehren. 

Entweder fehlt unseren Gedanken die Kraft oder unserem Denken der Wille über die Grenzen unserer Reservate hinauszufliegen.

Würden Elektrizität, Mobilität und Infrastruktur zusammenbrechen, würden viele von uns nicht mehr auf Grundnahrungsmittel zurückgreifen können. 

Viele könnten ihre Arbeitsstelle nicht mehr erreichen. Würde es obendrauf noch Probleme mit dem Trinkwasser geben, wäre unsere Zivilisation bereits in den Grundfesten erschüttert. 

Unsere Zivilisation hat es geschafft, Denken und Gedanken nur für individuelle Bedürfnisse zu nutzen. 

Bis auf wenige Ausnahmen würden viele nicht wissen, woher man Wasser bekommt, wie Lebensmittel erzeugt werden (vom Fleisch ganz zu schweigen), woher die Rohstoffe für viele Grundnahrungsmittel kommen. Vom Holz- oder Kohleherd ganz zu schweigen.

Für viele Landwirte wäre es unvorstellbar, die gesamte Jahresnahrung einer Familie selbst zu erzeugen. Gemüse anbauen, Getreide anbauen, Schafe, Kälber oder Schweine für den Eigenbedarf zu füttern, Mehl zu erzeugen, Gemüse und Obst zu ernten, einzulagern oder einzukochen. Brot zu backen, Butter zu schlagen, Sauerkraut im Fass reifen zu lassen, usw..

Wer heute von sich behauptet, Selbstversorger zu sein, wird von der Gesellschaft "als etwas aus dem Rahmen gefallen" bezeichnet. Wobei ich bezweifle, dass es heute noch reine Selbstversorger geben dürfte.

Großen Respekt zolle ich allen, welche versuchen, mit den wenigen ihnen in unserer Zivilisation noch zur Verfügung stehenden Mitteln, möglichst autark zu leben. Wer darüber lächelt, sollte es mal versuchen. Glauben Sie mir, ihre Gedanken werden Purzelbäume der Freude schlagen.   


Unser Denken und unsere Gedanken werden nur noch genutzt, um den technischen und wissenschaftlichen Fortschritt zur Verbesserung aller Lebensbedingungen und zur Einkommenssteigerung voranzutreiben.

Verständlich, da unsere Wirtschaft und unser Geldkreislauf auf Wachstum ausgerichtet ist - Geld mit Zinsen (oder auch Strafzinsen) wird verliehen, um mehr Geld zu generieren. Woher die Waren als Gegenwert kommen spielt keine Rolle. 

Halt, jetzt bin ich vom Thema abgewichen. Diese Ansicht hat in diesem Text nichts verloren. Es geht hier um die Freiheit der Gedanken.

Ja, die Zivilisation hat es geschafft, unser Denken im Reservat der Dienstleistungen anzusiedeln. 

Unser Denken lässt unsere Gedanken in Hängematten des "Angenehmen" baumeln. Unsere Gedanken sind auf ein Minimum an Innovation reduziert worden. Unser Denken wurde "geschrumpft". 

Die aktuelle Corona-Krise bestätigt dies mehr und mehr. 

Statt zu akzeptieren, dass ein unsichtbares Etwas die gesamte Menschheit einschließlich ihrer mühsam aufgebauten Infrastruktur ins Wanken bringt, wird jeden Tag versprochen, es wird besser; das Virus wird bald von selbst verschwinden; mit unserem medizinischem Know-How hat es keine Chance, zum Überleben. 

 

Der Tenor dürfte lauten: "Macht endlich was, damit wir wieder alle sorgenfrei leben können und uns über nichts, außer über Angenehmes, Gedanken machen dürfen." 

 

Es ist erschreckend, wie weit sich die Zivilisation mit ihren allumfassenden Bedürfnissen in die Denkwelt jedes Menschen hineingefressen hat. 

"Politik, Medizin und Wissenschaft werden es hoffentlich bald fertigbringen, mir meinen nächsten Trip nach Amerika, Südafrika oder Asien zu garantieren. Meinen Skiurlaub in den Bergen zu ermöglichen, den wöchentlichen Besuch im Fußballstadion zu genehmigen und meine gern besuchten Afterworkpartys laufen zu lassen."

Von den Swingerclubs und sonstigen Vergnügungsstätten ganz zu schweigen.

"Mit einer Impfungen wird alles geregelt. Die lahmen Enten in ihren Büros müssten sich etwas mehr anstrengen, dann würde alles funktionieren."   

 

Unser emotionales Handeln ist auf Kaufen, Verbrauch, Nutzung und Entsorgung reduziert. Bis auf Architekten, Handwerker, Künstler und Designer denken wir wenig über Möglichkeiten von Gestaltungsalternativen nach.

Mit einem oder mehreren Klicks im Internet lassen sich unendlich viele Möglichkeiten von Gedanken kopieren. Unser Denken ist und wird immer mehr auf das Suchen von Ideen reduziert. 

Wir gehen in den nächsten Möbelgroßmarkt, Betuchtere zu Elitedesignern, und versuchen, "uns einrichten zu lassen". Wir suchen im Internet nach neuen Kochrezepten. Dafür lassen wir uns die Zutaten nach Hause liefern.

Unsere Gedanken drehen sich dabei nicht um die Möglichkeiten der Verarbeitung von Nahrungsmitteln, Holz, Metall, Glas oder Kunststoff. 

Sie bewegen sich im Käfig von kaufen, verbrauchen, entsorgen.

Der Satz "dieses Haus habe ich 1999 gebaut", ist bereits ab dem dritten Wort falsch, falls der Eigentümer nicht selbst Hand angelegt hat und beim Bau mitgearbeitet hat. Es müsste heißen "ich habe mir dieses Haus 1999 bauen lassen."

Im Reservat der (bequemen) Zivilisation fühlen sich unser Gedanken wohl. 

Sie werden nicht täglich gezwungen, neue Wege zum Überleben zu finden. 

Sie werden lediglich mit den unendlichen Möglichkeiten von Mobilität, Unterhaltungs- und Computertechnik von einem Event zum nächsten getragen, ohne sich dafür erheblich anzustrengen oder kreative Alternativen finden  zu müssen. 

 

Vom Denkreservat in die Gedankengefängnisse der Moderne.

Unser Gedanken - Opfer auf dem Altar der Zukunftsbequemlichkeit?

 

Unsere Cyberwelt mag für viele ein Segen sein. Teilweise ein trügerischer Segen.

Für den weltweiten Energieverbrauch entwickelt sie sich zu einem gigantischen Monster. Es wird immer weiter gehen. Allein die in Zukunft so hochgelobten Elektroautos werden den Energie- bzw. Stromverbrauch ins Unendliche steigern. Kommen dann noch die in naher Zukunft autonom fahrenden Kraftfahrzeuge dazu, wird Strom bzw. Energie in gigantischem Ausmaß benötigt. 

Darf der Gedanke, "muss das sein"? , ausgesprochen werden? 

Ausgesprochen darf er werden. Er darf aber nicht in die Freiheit des kritischen Denkens eindringen. 

Neuem und modernem dürfen keine Gedanken des kritischen oder korrigierenden Denkens in den Weg gelegt werden. Die Zukunft unseres Lebens auf dieser Erde unterwirft sich dem Diktat der Euphorie des Unbekannten. 

Diesem Diktat haben sich unsere Gedanken unterzuordnen.     

Würden heute klar denkende PolitikerInnen, zusammen mit einigen Gesellschaftsforschern auftreten und sagen: "Schließen wir einen Teil der sozialen Netzwerke und verbieten wir die Kryptowährungen, dann benötigen wir nur noch einen Teil des weltweit benötigten Stromaufkommens, möchte ich nicht wissen, was dann los wäre. 

Von weltweiten Depressionen bis hin zu Selbstmorden und aggressivsten Verhaltensweisen wäre alles zu finden. 

Die weltweite Einsparung von Energie darf bei aller Kritik an der "Futureeducation" keine Rolle mehr spielen. 

Unsere Gedanken dürfen die Zukunfts- und Zivilisationsreservate nicht mehr verlassen. 

Einige Länder wenden gigantische Summen dafür auf, damit Gedanken, welche sich noch frei - außerhalb dieser Reservate - bewegen, möglichst schnell und lautlos wieder in die kontrollierten Bereiche und Gebiete zurückzudrängen.

Dabei werden diese Gedanken nicht nur in ihre Reservate zurücktransportiert. Sie werden in unsichtbaren Gedankengefängnissen zum Schweigen gebracht.  

 

Sie werden es nicht glauben, aber ich verstehe die Beweggründe. 

Sogar sehr gut.

 

Die Freiheit der Gedanken war schon immer die größte Gefahr.

"Wo kämen wir denn hin, wenn alle ihre Gedanken frei heraus äußern würden und dabei sogar noch auf Verständnis stoßen würden?" So könnte ein Ausspruch von Kirchenoberen in der Zeit Kopernikus' und Galileis gelautet haben.

Egal ob es die sogenannte fortschrittliche neue Kirche mit evangelischen Glaubensgrundsätzen war oder die bereits seit 1600 Jahren bestehende christlich-katholische Kirche: Beide lehnten die wissenschaftlichen Erkenntnisse von Kopernikus und Galielei ab. Ja sie verboten sogar, sich daran zu orientieren und unterstrichen diese Verbote mit handfesten Drohungen.

Die Autorität, die Glaubwürdigkeit und am Ende die ganze Struktur eines Systems hätte in sich zusammenbrechen können. 

Der Mittelepunkt des klerikalen Christenturms, die Erde, mit der christlichen Religion, um die sich nach kirchlicher Festlegung das ganze Weltall dreht, hätte plötzlich seine Bedeutung hinsichtlich Himmel und Hölle, Unendlichkeit und jüngstem Tag verloren. Ebenso die Kirche, welche noch lange an dieser Selbsterhaltungstheorie aus den genannten Gründen festhielt.

Und heute?

Egal ob wir von Klima, Energie, Elektrizität, Mobilität, Medizin, Wohnen, Essen, Trinken, Kleidung, Bildung und Schule, Kunst, Kultur, Arbeit, Sozialwesen und Infrastruktur, bitte nicht zu vergessen, Finanzen sprechen, die Ablehnungen und Drohungen beiderseits der Interessensgrenzen nehmen zu.

Das Denken mit den Gedanken der einen Seite steht in gefährliche Konfrontation mit dem Denken und den Gedanken der anderen Seite. Die aufeinander treffenden Gedanken werden als Munition für weiteres, jeweils einseitiges Denken und Handeln benutzt.

"Nur wer sich mit Haut und Haar dem Diktat einer Gruppe, Partei oder Religion verschreibt, darf in deren Gedankenwäldern ebenfalls eines seiner Gedankenbäumchen pflanzen, sofern es der Pflanzordnung der Gruppe nicht widerspricht. Und, sofern die späteren Samen sich gut, vor allem konform im Denkforst der jeweiligen Gruppe oder Organisation integrieren.

 

Es lebe die Monokultur des organisierten Denkens. 

Wir nähern uns dem Diktat des Fanatismus. 

 

Fanatismus duldet keine andere Meinung. Fanatismus könnte auch umschrieben werden als "göttlich inspiriert", aus dem lateinischen fanaticus. 

Aggressionen mit ihren Auswüchsen nehmen dabei ihren (unkontrollierten) Lauf, da jeder Anhänger seiner Gruppe meint, die Lösung für alle Probleme wäre nur in seinem Denkbereich zu finden.

Fremde, kritische oder gar Theorien widerlegende Gedanken dürfen keine Nahrung finden, müssen unterdrückt, niedergeschrien oder verboten werden. 

Um Gedanken und Wünsche durchsetzen zu können, schließen sich viele in Gruppen zusammen. Diese Zusammenschlüsse werden unter dem Deckmäntelchen der Politik oder Religion als hehre Bereiche des willkommenen Mitarbeitens am Zusammenleben in der Zivilisation bezeichnet. 

Leider übersehen die meisten in ihrer Euphorie Folgendes: ihre Ideen und Gedanken sind solange gefragt, solange sie den Gesetzen im Reservat ihrer Gruppe dienen. Ist dem irgendwann nicht mehr so, weil die Freiheit den eigenen Gedanken ihren Weg bahnen möchte, werden als Konsequenz zuerst das Denken, dann die Gedanken und zum Schluss die Mitgliedschaft im Reservat verboten. 

Fanatismus und organisiertes Denken liebt die Gleichschaltung des Denkens. Alle Gedanken von Mitläufern ordnen sich einem Ziel unter: eine widerspruchslose Masse von Menschen folgt der Vision eines oder mehrerer "(An)Führer". 

Ab einem gewissen Zeitpunkt beenden Mitläufer ihr Denken. Die Anstrengung des Denkens weicht dem Befehlsempfang. Die eigenen Gedanken haben keine Bedeutung mehr. Es zählt allein das Diktat des Fanatismus in Kooperation mit dem vorher bereits implantierten organisierten Denken - dem sogenannten Gruppenzwang.

Wer seine Interessen nicht unterordnet, wird ausgeschlossen, wenn nicht sogar bekämpft.     


Verkümmern unsere Ideale und Gedanken in Interessenkonflikten?        

Zappeln unsere Gedanken im Netz der Ideendiebe?

 

Statistiken und Gewinnzuwächse dürften der ideale Nährboden für Interessenkonflikte sein. Nehmen wir den Dünger Egoismus und mit dem Unkraut Ignoranz dazu, dann haben wir einen Acker, welcher von freien Gedanken unmöglich bearbeitet werden kann. 

Wer in der Statistik und bei den Gewinnzuwächsen nicht an letzter Stelle erscheinen möchte, wird Bedenken und Moral irgendwann über Bord werfen, um mit leichterem Gewicht im Pulk der anderen Boote mitzusegeln.

Es bedarf eines großen Vertrauens in das eigene Handeln, um seinen eigenen Weg zu gehen, ohne dabei seine moralischen Grundwerte verdursten oder verhungern zu lassen. 

Jeder sollte dabei vorsichtig mit seinem Urteil gegenüber denjenigen sein, welche dieses große Vertrauen in sich nicht besitzen. Vielmehr sollten sich alle fragen, welche Gründe manche bewegen, ihre Grundsätze und Einstellungen sich selbst und der Gesellschaft gegenüber über Bord zu werfen. 

Wurden diese Menschen bereits von anderen dazu gezwungen oder zumindest aufgefordert ihre Ideale zusammen mit ihrem Denken dem Gruppenzwang anzupassen, oder entstand die Idee bei den Betreffenden selbst.     

 

Hier kommen wir an die Kreuzung zweier Wege: Eigeninitiative zum Selbstzweck oder Zwang zum Gruppenerfolg?

Bei der Eigeninitiative zum Selbstzweck dürften keine Interessenskonflikte vorhanden gewesen sein. 

Vermutlich werden sich auch keine einstellen. Die Betreffenden haben aus innerer Überzeugung in Übereinkunft mit ihrem Denken und ihren Gedanken gehandelt. Sollten dabei auch noch Deckungsgleichheit mit dem Gruppendenken bestehen, besteht doppelte Absicherung und zugleich moralische Unterstützung.

 

Beim Zwang zum Gruppenerfolg schaut es anders aus.

Es besteht die Möglichkeit, eigene Gedanken in die Denkprozesse der Gruppe einzubringen, sofern dies gewünscht ist. 

Ist dies nicht gewünscht, stehen weitere Möglichkeiten zur Verfügung: 

a) Betreffende verbleiben in der Gruppe und ihre Gedanken und Ideen verkümmern mit der Zeit.

b) Betreffende verlassen die Gruppe, um sich in einer anderen Gruppe mit ihren Ideen einzubringen.

c) Betreffende versuchen eine eigene Gruppe zu bilden, um mit dieser ihre Ideen zu verwirklichen bzw. umzusetzen. 

 

Bei allen beschriebenen Möglichkeiten geht es um das Bemühen, Gedanken und Ideale am Leben zu halten. 

Wenn ich einem Kind die Möglichkeit nehme das Gehen selbst zu versuchen, sondern es nur dann gehen lasse, wenn ich Lust dazu habe, wird dieses Kind seine Lust am Probieren und Versuchen verlieren. 

Seine Fähigkeiten verkümmern im Interessenkonflikt zwischen Erlauben und Versuchen. 

Ebenso können Menschen dazu gebracht werden, sich irgendwann aus der Welt des konstruktiven Denkens mit ihren Gedanken zurückzuziehen, um Interessenskonflikten auszuweichen bzw. solche gar nicht mehr entstehen oder an sich herankommen zu lassen.

 

Ein weiterer Konflikt der Denk- und Gedankenwelt sind die Diebe der Gedanken.

Menschen, welche mangels eigener Fantasie oder aus Bequemlichkeit warten, bis ihnen Ideen und Gedanken von anderen, welche darüber sprechen möchten, auf dem silbernen Tablett serviert werden.

Schon zappeln gute Gedanken im Netz der Ideendiebe und deren Denkwelt. 

Gegen Ideendiebe gibt es kein Rezept, keinen Schlüssel für eine Tür, keine Überwachungskameras. Halt, seit es Handys gibt könnte man solche Gespräche aufzeichnen. 

Nur, wer schaltet sein Handy auf "Aufnahme", wenn er mit einem Bekannten oder Kollegen über eine neue Idee spricht. Meist benötigen Menschen ein Gespräch, um ihre Ideen und Gedanken danach neu zu ordnen bzw. Zweifel zu beseitigen.

 

Egal von  welcher Seite es betrachtet wird: Ob Ideenklau oder Verkümmern der Gedanken in Interessenkonflikten - nichts und niemand sollte uns davon abhalten täglich neue Ideen, Möglichkeiten und Alternativen zu suchen. 

Wie schon beschrieben, auch hier hat das Warnsystem Vorsicht eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. 

Es steuert das Immunsystem unseres Denkens, ist aber zugleich Zufluchtsort und  Schutzhütte im Gebirge der Ideen für unsere Gedanken.   


  

Warum stellen wir viele Fragen nicht?

Sind wir desinteressiert? Fehlt uns die Energie Fragen zu stellen? Haben wir aus unterschiedlichsten Gründen den Antrieb verloren, Fragen zu stellen? Fehlt uns der Mut, weil  wir scheu, zurückhaltend, gehemmt, vorsichtig oder zaghaft sind? Sind Gedankenlosigkeit oder Rücksichtslosigkeit die Ursachen?  

Meist ist es ein Konglomerat, eine Mischung aus mehreren Beweggründen. 

Faulheit sollte als Motivation der Unterlassung von Fragen ausgeschlossen sein, denn faule Menschen zeigen sehr oft hohes Interesse an ihrer Umwelt. 

Gut, Faulheit ist eine Eigenschaft, welche manchmal angeboren, manchmal anerzogen, sehr oft aber, aus mancherlei  Gründen, angeeignet wurde.

Die Aussage, "es gibt keine dummen Fragen, sondern nur dumme Antworten", hat mehr Inhalt als die beste Erklärung auf jede gestellt Frage. 

Fragen sind die Fundamente des Wissens. Sie sind der Nährstoff der Gedanken und die Luft des Denkens. Fragen halten unsere Gedanken am Leben. Sie spenden Energie. Sie sind das Erfolgsrezept unseres Lernens abseits der Lehrpläne in den Schulen.

Fragen zu stellen heißt nicht auf die Nerven zu gehen. Fragen zu stellen, heißt Interesse zeigen, dem Gegenüber Aufmerksamkeit zollen. 

Ich war lange auf der Suche nach einem Blog, der sich den Fragen von Menschen und ihren Problemen widmet. Gedankenwelt heißt dieses Blog. Dort befassen sich Profis in mehreren Sprachen nur mit Fragen, welche  Psychologie, Emotionen, Verhalten, Gehirn, Wohlbefinden usw., kurz gesagt, uns Menschen betreffen.

 

Freiheit liebt den Schwung des Denkens. 

Unsere Gedanken benötigen Freiraum. Das heißt nicht, sich im täglichen Leben an keine Regeln halten zu wollen oder zu müssen. Genau das Gegenteil ist der Fall. 

Unsere Gedanken genießen (fast) jeden Freiraum. 

Sie müssen sich jedoch immer unserem Handeln in Bezug auf Mitmenschen und Natur unterordnen.

Unsere Gedanken müssen in der Lage sein, zwischen Gutem und Bösem zu unterscheiden. 

Auch wenn unsere Gedanken den Mörder in uns wecken wollen, müssen Fragen die Konsequenz des Handelns in den Vordergrund stellen.


 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

      



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