Wenn der Himmel Kleider kauft


Kleider sind der Spiegel der Seele 


Die beiden neu ernannten Modebeauftragten für Bekleidungsordnungen im Himmel, Karl, ehemals wohnhaft Hamburg-Lagerfeld und Rudolph, früher ein eingefleischter Münchner Modezar mit Grünwaldaffinität, erhielten ihren ersten Auftrag vom Chef persönlich: "Neue Kleider brauchen wir, welche für unser Personal strapazierfähig sein müssen."

Zum Leidwesen Karls, jedoch zur Freude Rudolphs werden die beiden für diese Arbeit nach München geschickt.

Ihre Aufgabe ist klar und nüchtern umrissen: "zweckdienlich und Typ-bezogen einkaufen!"

"München, mit seiner temporär, manchmal doch etwas länger andauernden Bodenhaftung, sei dafür am besten geeignet", ergänzt Petrus. "Auch wenn in den letzten Jahren die nur noch wenigen echten Münchner mit ihrer, sich leider immer mehr zu einem Fremdgebiet Asiens, Arabiens, Russlands und Mittel- bis Norddeutschlands entwickelnden Stadt, granteln und hadern.

Manche betrachten diese Entwicklung auch als Fortschritt. Jeder darf seine eigene Ansicht darüber haben. 

Rudolph alleine nach München zu schicken, kann nicht funktionieren. Er würde vielleicht nicht mehr zurückkommen."

"Ihm fehlen schon im Himmel das schicke Ambiente der Maximilianstraße, die  derbe Feinfühligkeit der Münchener Lederhosenstrizis und die beschwingte Leichtigkeit der Dirndlschickeria. Nicht zuletzt seine nächtlichen Streifzüge durch sein "Münchner Paradies", welches er nur zum Schlafen verlassen hatte", ergänzte der liebe Gott. " 'Moos hamma', meinte er immer, wenn er seine Hundskugel für ein gepflegtes Dinè aufsuchte."

Petrus erwiderte schmunzelnd: "Dafür heißt dieses Lokal heute Sternenstaub und ist eine Begegnungsstätte für die älteren Münchner. Eine Stiftung, die Rudolph bestimmt gefallen wird."

"Also, lieber Karl", dabei legte der liebe Gott seine Hand auf seine Schulter, "auch wenn es für Dich eine Qual sein könnte, zusammen mit Rudolph nach München zu reisen, musst Du dort für uns Einkäufe tätigen. Verbocke es nicht. Im Lagerfeld von Chick und schön kennst Du Dich aus."

Mit drei diplomatischen Sätzen zerstreute Karl alle Bedenken seiner Chefs: "Geschmack muss nicht teuer sein. Hauptsache man hat überhaupt einen. Rudolph wird mir eine große Hilfe in der Schaufensterallee Maximilians sein."

Rudolph, welcher bisher geschwiegen hatte, strich seine Haartolle nach links und erwiderte schmunzelnd: "Geschmack hat jeder, stimmt. Aber, Geschmack muss gepflegt werden. Wie ein Rolls-Royce. Man darf mit ihm nicht zu schnell fahren; er muss mit seinen Insassen durch die Gefühle der Zeit gleiten, um die Schwerelosigkeit des eigenen Stils zu vermitteln." 

 

Der liebe Gott, blickte hilfesuchend zu Petrus, welcher ganz leicht mit den Schultern zuckte. 

 

Danach fasste er den Auftrag noch einmal zusammen:

 

"Karl", sprach der Herr zum Schneider,

"besorg uns neue, elegante Kleider.

Von München, aus der Straße Max des Königs,  

wo Schein und Glanz zeigen sich wie Phönix.


Dort, wo Haus an Haus und Tür an Tür,

die Mode lebt für Haute Couture.

Münchens Lagerfeld, schick und schön,

dort sollst du zum Suchen geh´n.


Für Petrus, eine Tunika in weiß,

Von Dior, darauf ist er sehr heiß.

Nicht nach Maß! Mehr Prét-a-porter,

das reicht für ihn am Hoch-Entrée.

 

Sein Underwear von Fein-Ripp-Schießer,

verbirgt Hermes, der Schnallenschließer.

Dazu Versace Beinkleid-Stretch.

Burlington, Comford-Oxford, ihm gefällts.

 

Schau, Maria breitet ihren Mantel aus,

Himmel, manchmal ist´s ein Graus.

Für sie von Massimo, dem Frauen Dutti,

ein Daunenmantel, elegant und beauty.

 

Zalando heißt der Einkaufstempel,

kauf bitte nicht bei Bloß und Hempel.

Sehr lang geschnitten außerdem,

für Keuschheit äußerst angenehm.

 

Erzengel Gabriel, der Hodenlose,  

trägt von Lodenfrey die Lodenhose.

Eine Kotze für ihn, das wär´ nett,

so bleibt er, wie soll ich sagen, doch kokett.

 

Für Evangelisten, die nur am Schreibtisch wohnen,

Ellenbogenleder, ihr Kaschmir ist zu schonen.

Bitte sehr weich, von Zickleins Bauch.

Leder Walter, hörte ich, führt das auch.

 

Von Bogner, 

neue Hemdchen für die Wolkenengel,

weißes Leinen für die Sängerbengel.

Von Fröhlich, für die kalte Jahreszeit,

Eisfuchspelze, sie überstehen eine Ewigkeit.

 

Rudolph, Karl, wir, als Himmelpatronat,

sitzen bequem in unserem Ornat.

Unsere Zuversicht und Weisheit

bleiben Unikate für die Ewigkeit. 

 

Nutzt nun euren Erfahrungsschatz, 

gebraucht die himmlische Schaffenskraft.

Wir, im Himmel, müssen auch mal sparen.

Mailand? Rom? Paris?

nur Erdenbürger dorthin fahren!

 

St. Nikolaus wird eure Kutsche lenken, 

zum Franziskaner darf er schwenken.

Mit Weißwürst, Leberkäs und Brez'n

gemütlich auf dem Holzstuhl fläz'n.


Eh ich's vergess', es war sein Wille,

von Porsche eine Sonnenbrille. 

Im Winter, der Schnee sehr blendet,

so manche Fahrt im Graben endet."

 

Der Einkauf war, der Weisung folgend, bald erledigt. 

Karl, mehr preußischer Ordnung zugeneigt, drängte auf eine schnelle Heimkehr.

 Rudolph, der ehemalige Freigeist Münchens, wollte noch nicht Abschied nehmen. 

 

Der Hanseat nicht gerne predigt,

so war der Einkauf bald erledigt.

Rudolph, auch der Nikolaus, 

wollten nicht sofort nach Haus.

 

"Eine Kutschfahrt, ihr Banausen,

Zum Maximilianeum, nach Haidhausen,

mit Blick über die Münchner Stadt, 

die keine Münchner mehr im Herzen hat."

 

Rudolph war etwas außer sich,

d'rum wetterte er gar so fürchterlich.

Vom Bier nun leicht enthemmt,

St. Nikolaus zum Kutschbock rennt.

 

Leichtfüßig ließ er die Pferde traben,

Über die Brücke ging's zum Isargraben.

Die Kutschenpferde, etwas pustend,

dahinter, Söda, im BMW, leicht hustend.

 

"Des is da Söda, den lasst ned vorbei",

ruft Rudolf mit beträchtlichem Geschrei.

"Weil der in München nie an Anzug kauft

und in Nürnberg nur zum Wöhrl lauft." 


Karl ergreift schnell das Wort:

"Rudolph, bitte, dass das in dir bohrt?

Du und dein schicker Laden, 

hätten sich mit Politik doch nie vertragen!"

 

"Karl,  entschuldige mein Gebaren,

lass uns schnell nach oben fahren.

Diese Stadt hat keine Seele mehr,

Kommerz, Gier, hirnloses Hin und Her."

 

St. Nikolaus nickt, er hebt den Hut:

"Bravo! Die Erkenntnis, die tut gut. 

Jedes Jahr muss ich mich quälen,

Bier- und Longdrinkleichen zählen.

 

Heuer ist Corona-Pause,

ohne grosse Sause.

Ich hab meine Ruh im Himmel oben,

auch wenn wegen Söda alle toben."

 

Friedlich endete der Einkaufsbummel,

schnell entflohen sie dem Rummel.

Petrus mit einem Lächeln sie empfing,

im Bock, leicht schief, der Kutscher hing.



Freude auf das "normale" Leben:

 

Im Himmel, ebenso auf Erden,

Kleidersuche mit Beschwerden.

Alle springen über einen Schatten,

auch die, die noch keinen solchen hatten.

 

Shoppen fehlt vielen Menschen sehr, 

ein Schoppen meist noch etwas mehr.

Mit Freude sich beidem hin zu geben,

welch' Genuss, im "normalen" Leben. 



 

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