Nachgedacht nach einer Fußballnacht
Fußball, das wir und das sie
Mit welcher Euphorie und noch größerer Erwartung sind wir alle in die Glitzerwelt der Fußballweltmeisterschaft gestartet.
Der Traum " wir können Weltmeister werden" war ein von der Leichtigkeit der Hoffnung getragener Rucksack der Glückshormone.
Schon das Wort Euphorie verbindet überschwängliche Gemütsverfassung mit gesteigerter Lebensfreude zu intensivem Wohlbefinden.
Leider hält dieses Gefühl nur kurze Zeit an, um danach dem Wind des Alltags der Enttäuschung Türen und Fenster zu öffnen.
Die Realität und ihre gnadenlosen Tatsachen schleichen sich ins Haus der Hoffnung.
Und schon geht es los: Enttäuschung, Niedergeschlagenheit, Verlustsyndrome und die Reaktionen darauf.
Reaktionen, welche die Luft pfeifen lassen, die aus der gnadenlos zu stark aufgepumpten Luftmatratze der Erwartungen entweicht, wenn der Stöpsel brutal aus dem Ventil gezogen wird.
Zuerst werden Schuldige gesucht.
Ein in Deutschland beliebtes Gemeinschaftsspiel, an dem sich jeder beteiligen kann, darf, ja sogar muss, um nicht im Abseits wichtiger Ereignisse des Fußballs zu stehen.
Die einen sehen den Trainer als Warze allen Übels.
Diese muss schnell vom Hautarztzentrum des Fußballverbandes, dem Präsidium, entfernt werden, um ein Übergreifen auf andere sensible Hautregionen des Fußballs zu vermeiden.
Die medizinische Abteilung dieses Zentrums, der Präsident, der Vizepräsident, der Sportdirektor und der Geschäftsführer Sport, machen was von ihnen erwartet wird, ohne das erforderliche Dünnhautscreening durchzuführen.
Das Problem:
Genau da liegt das Problem, der Hase im Pfeffer bzw. der Ball im Mittelkreis der Katastrophe: Es wird an etwas rumgedoktert, was gar nicht die Ursache sondern lediglich das Ergebnis eines gewaltigen Ärztepfuschs ist, der seit Jahren vertuscht wurde.
Woher bitte sollen denn Spieler von Weltformat kommen, wenn in den Vereinen, also in der Personalabteilung des Fußballverbandes, keine inländischen Spieler mehr auf Schlüsselpositionen zum Einsatz kommen?
Da werden Spieler aus aller Herren Länder gekauft, damit das Überleben der Vereine national oder international wenigstens gesichert ist, um nicht zu sagen, Vereine aus der Mittelklassigkeit der jeweiligen Profiligen verschwinden würden.
Die Alibiarbeit
Um der Personalabteilung in Frankfurt wenigstens einigermaßen Vollzug melden zu können, werden sogenannte "Alibiweltklassespieler" über die Medien hochgelobt.
Die sogenannten 'Potemkinfußballer' des DFB.
"Wir haben unsere Aufgaben gemacht, jetzt schaut, was draus wird", dürfte unisono die rotzfreche Feststellung lauten.
Es werden über die Medien Erwartungen geweckt, die an den Mauern der Realität zerschellen, wie Suppentassen auf dem Fliesenboden der sportlichen Edelküchen.
Warum aber loben Medien Spieler in den Himmel der Fußballträume?
Weil Vereine damit den Wert ihres Inventars steigern?
Weil die Anhänger eben zu gerne den Stern am eigenen Vereinshimmel blinken sehen wollen?
Oder doch nur um nach oben, also zum DFB, Vollzug melden zu können, dass die so hoch gelobte Ausbildungsarbeit aller Trainerstäbe Sinn gibt?
Wir, die Realitätsfernen!
Wünsche, Hoffnungen, Ideale und Superstars des deutschen Fußballs sollen für Idole hierzulande sorgen.
Es werden Kinder in Vereinen angemeldet, mit der Hoffnung, der Trainerstab des Vereins formt die Kinder in seinen zeitlich sehr begrenzten Trainingseinheiten zu neuen Messis, Kanes, Ronaldos oder Bellinghams.
Fällt etwas auf? Genau es ist kein deutscher Spieler dabei, der als Idol zum Nachahmen genannt wird!
Dann wird auch noch darauf geachtet, dass die künftigen deutschen Spieler eine gute, nein, eine Spitzenleistung in der Schule absolvieren.
Nur zu gerne werden Abiturnoten einzelner Spieler veröffentlicht, um zu zeigen dass die duale Ausbildung (Fußball und Schule) hierzulande bestens funktioniert.
Nur am Ende geht es eben um Fußball und nicht um Schulnoten.
Wer von den Weltmeisterfußballern 1954, 1974, 1990 hatte Abitur oder eine Fußballakademie durchlaufen? Sicher nicht alle und vermutlich nur sehr wenige.
Die 2014er Mannschaft war geprägt von etwas jüngeren Spielern, welche noch das Glück gehabt hatten, von erfahrenen ausländischen Spitzenfußballern profitiert zu haben.
Wobei einige eben noch Straßenfußballer waren und nicht in den Akademien, den Hochschulen des Fußballs, als glattgeschliffene Systemfußballer ihre individuellen Fähigkeiten in den Spinden zurücklassen mussten.
Diesen Weg gehen heute nicht mehr viele Vereine, um nicht zu sagen - kein Profiverein.
Der DFB schreibt ja sogar Fußballnachwuchsleistungszentren für Profivereine vor.
Verlangen wir zu viel?
Wir glauben von unseren Kickern immer Titel fordern zu dürfen, weil ja viel Geld in deren fußballerische Ausbildung fließt.
Bei dieser WM hat sich für den deutschen Fußball etwas gnadenlos gezeigt: Meisterschule gewinnt gegen Universität.
Der unbedingte Wille der Straßenfußballer, gepaart mit einer großen Portion Leidenschaft und Disziplin hat gegen taktisch gut ausgebildete Akademiefußballer ohne bzw. mit nur wenig gestalteter Eigeninitiative gewonnen.
Wer, wie Nagelsmann, als Trainer überfordert ist, verliert mit seinem Verhalten am Spielfeldrand irgendwann jede Verbindung zu seinen Spielern, welche wiederum wegen der Vorgaben mit Fußfesseln ins Spiel gehen.
Es ist aber nicht der Trainer, welchen an dieser Sachlage die Schuld trifft, sondern das Gremium, das ihn für die Aufgabe ausgesucht hat.
Ein Quartett, welches einen Trainer aussucht, der bei Bayern entlassen wurde, mit dem Hintergedanken, ihn für eigene Wünsche, Vorgaben und Vorhaben gefügig zu halten.
Wie armselig und mutlos muss diese Denkweise sein?
Und wir? Sind wir besser?
Nein. Wir sind sogar die Triebfedern für dieses Verhalten des Quartetts.
Wir glauben immer noch, die besten Fußballer auszubilden, während auf den Fußballplätzen in Afrika, Asien und in den französischen Hinterhofbolzplätzen wahre Ballgenies heranwachsen, deren Können sich vor den sogenannten Fußballakademikern Deutschlands in keinster Weise verstecken muss.
Wir können noch so gepflegte Trainingsmöglichkeiten zur Verfügung stellen, es gibt nämlich das Glück des Sammelns von Erfahrungen auf dem Bolzplatz.
Wer diese Schule durchläuft lernt nicht nur für das Leben - man lernt auch die Freiheit des Spiels mit all seinen Fachetten intensiv kennen.
In diesem Sinne,
alles Gute deutscher Fußball, der Du zwar viele Fußballdoktoren und -professoren in Deinen Akademien herausbringst, aber leider vergisst, dass in den Meisterschulen der Straße das wahre Leben pulsiert.
Wie im Sport so auch im Leben! Was die Eltern nicht erreicht haben muss der Nachwuchs unbedingt nachholen. Koste es was es wolle!
@Urheberrecht
Oskar Springer

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