Gedicht: Ein Kastanienbaum im Biergarten
Ein Kastanienbaum im Biergarten
I bin a oida Kastanienbaum,
leb' jed'n Tag mein Biergartentraum.
Schaug runter auf de Leid.
Ohne Brass und ohne Neid.
Früher ham mir Schatten ge'macht,
kühl hod's sein müss'n, für'n Hopfensaft.
Der war im Eiskeller g'lagert, Fass für Fass!
Kühl getrunken, Mass für Mass.
Heut' san mia bloß no Staffage,
Für Gäste eine Schattenplantage.
Tradition, is uns sehr wichtig,
darum pflegt da Wirt uns richtig.
Für seine Gäste breiten wir die Kronen aus,
treiben im Frühjahr unsere Bladdl raus.
Schatten is wichtig in da Hitz,
grad beim Bier, für d' Leit, koa Witz.
De oana bringen Brotzeit mit,
hoin sie 's Bier mit schnellem Schritt,
de andan, kaufen Radi und a Brez'n.
Manche bloß auf da Bank rumfläz'n.
Pommes san für d' Kinder wichtig,
vui Salz, dann schmeckt's erst richtig.
D'Mamma mog an Obatzd'n auf's Brot.
Dazu a Radler, Ruhe ist oberstes Gebot.
Drüben, do hams vier Hendl aufm Tisch,
dazu an Kartoffelsalat, ganz frisch,
Spareribs gut gegrillt und duftend,
Da Ober flitzt, leicht fluchend.
Ja es wieder Biergartenzeit,
Für uns Baam der schönste Zeitvertreib.
Die Sonne blitzt durchs Blätterdach,
De Luft so leicht, und 's Lebn lacht.
Dackel, Boxer, Weimeraner und a Spitz,
alle Hund san friedlich, machen "Sitz".
Bloß oan, den trebt's rum von Tisch zu Tisch:
Koa Wunda, a Dugado, no ganz frisch.
"Wos is Dugado für a Rass", möchst wissen.
"Durchs ganze Dorf, auf d' Rass is gschissn."
Da Steggalfischbrater, mei der schwitzt,
Sei Koin is heid leicht überhitzt.
Im Servierbereich do geht's vornehm zu.
Man hört meist "Sie" und selten "Du"!
Herrschaften wollen nur im Freien sitzen
trinken dafür Prosecco und an G'spritzt'n.
Die Musik jetzt leise Stücke spielt,
auch für mich eine Melodie erklingt,
die meinen Stamm ins Schwingen bringt,
alle Blätter tanzen ganz beschwingt.
Im Herbst lass ich meine Früchte fallen,
die krachend auf die Tische knallen,
springen von dort kreuz und quer.
Der Herbst, der treibt viele Wolken her.
Tropfen glitzern auf de Tisch,
san grod runtergfoin, ganz frisch.
D'Leid bleibt jetzt daheim
oder sitzen sich ins Wirtshaus rein.
Ruhe kehrt nun ein, in meinem Paradies,
wo ich bereits viele Blätter fallen ließ.
Jetzt heißt es warten und geduldig sein,
im Frühjahr kehrt hier 's Leben wieder ein!
@ oskar Springer Urheberrecht
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